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Wenn auch ſein Bruder von dieſem Verbrechen Kenntniß hatte, ſo ſtützte dieſe Kenntniß ſich doch nur auf Vermuthungen, deren Richtigkeit er unmöglich beweiſen konnte.
Und ſo lange ihm die Beweiſe fehlten, durfte er ja nicht wagen, gegen ihn aufzutreten, abgeſehen davon, daß er dies ohnehin der Eltern wegen nicht that, wie er ſelbſt erklärt hatte. Heeinrich Schenk war jetzt an ſeinem Ziele angelangt.
Er konnte, wenn er das Vermögen ſeiner Frau hinzurechnete, über eine halbe Million gebieten, er war ein reicher, angeſehener Mann, er beſaß einen Palaſt, Pferde und Equipagen, und da er noch jung war, konnte er darauf rechnen, daß er dieſes Vermögen noch verdoppeln und verdreifachen würde.
Auf welchem Wege er ſeinen Reichthum erworben hatte, wußte Niemand, wer wollte ihn eines Verbrechens zeihen?
Sein Schwager hatte ihn zwar der Erbſchleicherei beſchuldigt, aber dieſe Beſchuldigung wurde dadurch widerlegt, daß nicht Heinrich, ſondern Bertha die Hinterlaſſenſchaft des Fabrikanten geerbt hatte.
Auch von dieſer Seite war nichts zu befürchten, Liebmann durfte nicht in ſeine Heimath zurückkehren.
Nur Eins bereitete ihm noch Verdruß, daß er nicht über das Vermögen ſeiner Gattin verfügen konnte, daß Bertha ſo eigenſinnig ſich weigerte, ihm dieſes Vermögen anzuvertrauen.
Wenn er es beſaß, konnte er ſeine Operationen an der Börſe verdoppeln, jetzt durfte er es nicht.
Dann auch lag die Gefahr nahe, daß das Vermögen ſelbſt ihm verloren ging.
Er wußte ſehr wohl, daß er ſeiner Gattin gleichgültig war, bei der Lebensweiſe, die fortan zu führen ſie ſich vorgenommen hatte, konnte es fehr leicht der Fall ſein, daß ſie einen Herrn kennen lernte, für den ſie ſich intereſſirte, dem ſie ihre volle Gunſt ſchenkte und dann war es ſehr wahrſcheinlich, daß ſie einen Grund ſuchte, um ſich von ihrem Gatten ſcheiden zu laſſen.
Und ſelbſt, wenn ſie das letztere nicht that, konnte ſie durch Schenkungen oder durch ein Teſtament ihr ganzes Vermögen einen Andern zuwenden, ohne daß Heinrich dagegen Einſpruch erheben durfte.
Gab es denn keinen Weg, ſich dieſes Vermögen zu ſichern?
Heinrich Schenk grübelte eben über dieſe Frage nach, als ihm eine junge Dame angemeldet wurde, die in einer wichtigen An⸗ gelegenheit mit ihm zu reden wünſchte.
Gleich darauf trat dieſe Dame ein.
Als ſie den Schleier zurückſchlug, erkannte Heinrich ſofort dieſelbe Dame, die ihm damals im Pariſer Hofe begegnet war.


