Jahrgang 
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„Die alte Frau wird nachgeben, wenn ſie ſieht, daß ſie es nicht ändern kann,“ entgegnete Otto ruhig,„dafür laß nur mich und den Vater ſorgen.“

„Ihr werdet einen ſchweren Stand haben,“ ſagte Nikolas be⸗ denklich,„die Frau hat ſich einmal in den Kopf geſetzt, ihr Töchterchen müſſe einen Mann haben, der mit ihrem Sohne Heinrich im Range gleich ſtehe. Du lieber Gott, es kann doch nicht Jeder ein reicher Kaufmann ſein!“

„Geduld,“ ermuthigte Otto,„kommt Zeit, kommt Rath, wer ſtandhaft ausharrt, erreicht ſtets ſein Ziel.“

Im Laufe des Geſpräches äußerte Otto den Wunſch, das Bergwerk zu ſehen, er war noch nie in einen Schacht hinab⸗ geſtiegen.

Nikolas erklärte ſich bereit, dieſen Wunſch am nächſten Tage zu erfüllen, er forderte auch Helene auf, die Gelegenheit zu be⸗ nutzen, aber als am andern Morgen das Mädchen vor dem dunklen Schacht ſtand, konnte es ſeine Furcht vor dieſer Fahrt in die Unterwelt nicht überwinden.

Die beiden Freunde zogen den Grubenkittel an und ſtiegen, begleitet von einem Bergmanne mit ſilbergrauen Haaren, in den Korb, in welchem ſie hinuntergelaſſen werden ſollten.

Tiefe Nacht umgab ſie, der matte Schimmer der Gruben⸗ lichter vermochte die Finſterniß nicht zu durchdringen.

Der Bergmann machte Otto während der Fahrt auf die verſchiedenen Vorrichtungen aufmerkſam, er unterrichtete ihn über den Zweck dieſer und jener Maſchinerie, und als nun der junge Mann ſein Erſtaunen und ſeine Bewunderung über das nach ſeiner Anſicht vortrefflich angelegte Werk äußerte, überraſchte es ihn, daß der Bergmann in dieſes Lob nicht einſtimmte.

„Die Leiter dieſes Werkes müſſen tüchtige, erfahrene Fach⸗ männer ſein,“ ſagte er,„aber ſie allein können nicht Alles thun, ein ſolches Werk erfordert ein exactes Ineinandergreifen aller, auch der kleinſten Kräfte.“

„Gewiß,“ erwiderte der Bergmann,„und ich verſichere Sie, dieſe Grube würde bedeutend mehr abwerfen, wenn die Herren an der Spitze öfter hierher kommen und ſich etwas mehr um die Leitung des Ganzen bekümmern wollten.“

Darin lag ein harter Vorwurf, und dieſer Vorwurf mußte gerecht ſein, denn der Bergmann ſprach ihn mit einer Sicherheit aus, die einen überzeugenden Eindruck machte.

Aber allen Fragen wich er aus, eine beſtimmte Erklärung

wollte er nicht geben.

Man war in dem Hauptſtollen angekommen, überall ſah Otto

die Bergleute beſchäftigt.„