Jahrgang 
2
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Otto wußte bereits, woran er war, er hegte ſchon jetzt die Ueberzeugung, daß er dieſen Beiden keinen größeren Gefallen er⸗ zeigen könne, als den, daß er ſich ſchleunigſt wieder entfernte.

Aber gerade, weil er das wußte, gefiel es ihm, ſie mit ſeiner Gegenwart noch länger zu beläſtigen, er wollte verſuchen, einen recht tiefen Blick in die Seele Beider zu werfen.

Die Mutter hat mir vor einigen Wochen geſchrieben, Du werdeſt nun bald Deine Hochzeit feiern, nahm er nach einer Weile wieder das Wort,aber ich wußte nicht, daß der Tag ſchon ſo nahe war.

Heinrich mußte den Stich fühlen.

Du haſt doch meinen Brief erhalten, in welchem ich Dich einlud? fragte er.

Nicht eine Silbe, erwiderte Otto, für den es keinem Zweifel unterlag, daß dies eine Lüge war.

Dann muß der Brief verloren gegangen ſein, ſonderbar!

In der That, ſehr ſonderbar!

Du ſagſt das ſo ironiſch, als ob Du bezweifelteſt, daß ich die Einladung abgeſchickt habe!

Durchaus nicht.

Und wenn es überſehen worden wäre, ſo könnten Sie es wohl damit entſchuldigen, daß die Hochzeit im Hauſe meines Vaters gefeiert wurde, ſagte Bertha gemeſſen.Von der Fa⸗ milie meines Gemahls

Ich finde das ſehr begreiflich, unterbrach Otto ſie, den dieſer ſteife gemeſſene Ton ärgerte.Ich würde ja ohnehin nicht ge⸗ kommen ſein, weil ich noch nicht völlig hergeſtellt war.

Ach, es iſt wahr, Du warſt krank, ſagte Heinrich, der nicht einmal daran dachte, ſeinem Bruder einen Stuhl, geſchweige denn

ein Glas Wein anzubieten.Hoffentltch befindeſt Du Dich jetzt

wieder wohl.

Ich danke.

Ich würde Dir längſt einmal geſchrieben haben, aber die Geſchäfte nahmen meine Zeit ſo ſehr in Anſpruch, daß ich nicht daran denken konnte.

Hm Du biſt ja inzwiſchen ein reicher Mann ge⸗ worden?

Wer hat Dir das geſagt?

Die Mutter ſchrieb es mir.

Heinrich zuckte geringſchätzend die Achſeln.

Was wiſſen ſolche Leute von Reichthum? ſagte er.Wenn ich auch Wagen und Pferde halten könnte, reich bin ich darum doch nicht.

Aber vermögend.