Jahrgang 
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Iſt der Polizeipräſident unter ihnen? fragte Maria.

Nein.

Wenn er kommt, ſoll er hierher geführt werden, ich wünſche, mit ihm zu reden. Sobald er hier iſt, benachrichtigen Sie mich.

Ein Wink verabſchiedete die Beiden.

Maria trat vor den Spiegel und muſterte ihre Toilette. Nach⸗ dem ſie hier eine Schleife, dort eine Locke geordnet hatte, ging ſie, mit einem Lächeln der Heiterkeit und des Glücks auf den Lippen, in den Salon.

Niemand ahnte, welcher Sturm in der Seele dieſes ſchönen ſtrahlenden Mädchens tobte, welche Fülle von Haß und Rachſucht ſie barg.

Vierzigſtes Kapitel.

Bruderliebe.

Als Otto die Thüre des Zimmers öffnete, welches der Portier ihm als die Wohnung des jungen deutſchen Ehepaars bezeichnet hatte, fiel ſein erſter Blick auf den Bruder, der am Tiſche ſtand und einen offenen Brief in der Hand hielt.

Die junge Frau ſaß auf dem Sopha und blickte gelangweilt zu dem Gatten auf, der, wie es ſchien, aus dieſem Briefe ihr vorgeleſen hatte.

Grüß' Gott, Heinrich, ſagte Otto treuherzig, indem er dem Bruder die Hand bot.Ich hätte im Traume nicht daran ge⸗ dacht, daß ich Dir hier begegnen würde.

Ich auch nicht, erwiderte Heinrich kühl und offenbar unan⸗ genehm überraſcht, während er ſeine Fingerſpitzen in die harte, ſchwielige Hand des Arbeiters legte.Es iſt in der That ein ſonderbarer Zufall

Der Dir doch wohl nicht unangenehm ſein wird? fragte Otto.

O, nein, nein, Du ſtörſt durchaus nicht, fuhr Heinrich mit einem erzwungenen Lächeln auf den Lippen fort,ich kann Dir bei dieſer Gelegenheit ja meine Gemahlin vorſtellen.

Otto wollte auch ihr die Hand bieten, ſie kam dem durch eine kalte, gemeſſene Verbeugung zuvor.

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