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Feſt und durchbohrend blickte Henri die Schweſter an, ſeine Hand umklammerte krampfhaft die Lehne eines Stuhles.
„Wie kannſt Du von dem Rechte einer Vertheidigung reden?“ ſagte er ernſt.„Für Deine Handlungen gibt's keine Entſchuldigung.“
„O doch, doch! Meine Liebe zu jenem Manne verleitete mich, ihn aus dem Kerker zu befreien, ich that für ihn, was jedes andere beherzte Mädchen für den Geliebten gethan haben würde. Und als er nun trotz dem ſchweren und großen Opfer, welches ich ihm gebracht hatte, meine Liebe verſchmähte, mußte nicht der Haß gegen ihn, gegen ſein ganzes Geſchlecht in meiner Seele erwachen?“
„Du hüätteſt zurückkehren ſollen—“
„Konnte ich es? Mußte ich nicht befürchten, daß man mich verhaften, daß der eigene Vater mir die Thüre zeigen werde?“
„Er hätte es nicht gethan!“
„O, er hätte es gethan, ich weiß das. Einer ſolchen Demüthi⸗ gung mochte ich mich nicht ausſetzen, mein Stolz ſträubte ſich da⸗ gegen.“
„Aber er ſträubte ſich nicht gegen die erbärmliche Rolle, die Du jetzt ſpielſt.“
„Eine erbärmliche Rolle nennſt Du es? In meinem Hauſe verſammeln ſich die reichſten und angeſehenſten Leute, Beamte der Republik, Offiziere, Deputirte— ſie alle huldigen mir—“
„Und doch iſt es eine erbärmliche Rolle,“ fuhr Henri erregt fort,„ich möchte lieber eine Dienſtmagd ſein, als in Deinen Schuhen ſtecken. Sie alle huldigen Dir, ſo lange Du noch äußere Reize haſt, aber nicht Einer von ihnen achtet Dich, und wenn die Zeit Deine Schönheit zerſtört hat, ſo werden ſie mit Spott und Hohn Dir den Rücken wenden. Vielleicht begegnen ſie Dir dann einmal in ihren glänzenden Equipagen, während Du auf den Straßen die Lumpen zuſammen ſuchſt, vielleicht wirft Dir dann der Eine, oder der Andere ein Almoſen zu, aus Mittleid mit Deinem Elend!“
„Du biſt ungerecht, Henri,“ entgegnete das Mädchen,„ich bin nicht ſo tief geſunken, wie Du vermutheſt. Ich haſſe ſie alle, die mir huldigen, ich ruinire Alle und doch können nur Wenige ſich rühmen, daß ſie mehr als ein freundliches Lächeln dafür erhalten haben. Ah— ſie werden mich nicht in's Elend ſtürzen!“
Der junge Mann ſchüttelte das Haupt.
„Wir wollen darüber nicht ſtreiten,“ ſagte er,„ich habe genug geſehen und gehört, ich weiß, was ich von Dir zu halten habe. Und der Vater wußte es auch, er konnte Dir nicht verzeihen. Er iſt geſtorben, ohne Dir ſeinen Segen zu hinterlaſſen.“
„Henri, iſt es denn noch nicht genug?“ ſchrie da


