ich den Weg, auf welchem Sie mich zu rächen verſucht haben, nicht billigen könne, ſo muß ich Ihnen heute wiederholen, daß kein Blut mehr fließen darf. Ich will den Tod dieſer Beiden nicht.“
„Wer ſpricht davon?“ erwiderte Werner ruhig.„Ich denke nicht daran, die Hand eines Mörders zu bewaffnen.“
„Welchen andern Plan könnten Sie haben?“
„Einen bedeutend beſſeren. Wir laſſen die Beiden in die Fremdenlegion einſtecken. Das geht ganz vortrefflich. Sie wiſſen, daß Beide keinen deutſchen Paß beſitzen, der Maire in Mühlhauſen hat ihnen franzöſiſche Päſſe ausgefertigt. Dieſe ſind ihre einzige Legitimation. Nun wohl, wenn wir den Verdacht auf ſie werfen, daß ſie preußiſche Deſerteure ſeien, ſo rettet ſie nichts vor dem Schickſale, in die Fremdenlegion eingeſteckt und nach Algier ge⸗ ſchleppt zu werden.“
„Das wäre in der That für mich eine befriedigende Genug⸗
thuung,“ ſagte Maria erregt.„Aber wird es gelingen?“ gt.„ geling
„Ich vertraue darauf. Sie müſſen mit dem Polizeipräfekt
reden, der ja jeden Abend uns beſucht.“
Das Mädchen nickte.
„Er wird Ihnen den Gefallen gerne erzeigen. Er hat Ihnen ja auch damals einen Dienſt erwieſen, als der Bankier, der ſich zuerſt für Sie ruinirt hatte, Ihnen ſo läſtig fiel. Wiſſen Sie noch, der alte Narr drang gewaltſam hier ein, um Ihnen Vor⸗ würfe zu machen—“
„Ganz recht, ich konnte mich vor dieſem zudringlichen Bettler nicht mehr retten; ein Almoſen wollte er nicht annehmen, er ver⸗ langte, ich ſollte ihn entweder heirathen oder mein ganzes Ver⸗ mögen ihm herausgeben.“
„Und als Sie das nicht wollten, ward er grob. Darauf ſchickten Sie zum Polizeipräfekt, der ſeitdem täglich kommen darf, und dieſer Herr fand ſehr raſch ein Mittel, den Unverſchämten zu beſeitigen. Er wird Ihnen auch jetzt wieder beiſtehen.“
„Ich zweifle nicht daron,“ erwiderte Maria,„was aber ſoll ich ihm ſagen? Ich muß ihm doch Gründe angeben, die mich nöthigen, ſeinen Beiſtand zu verlangen.“
„Sagen Sie ihm, Sie wüßten, daß die Beiden preußiſche Deſerteure ſeien, Ihr Vater habe ſich damals ihrer angenommen und ihnen Arbeit gegeben—“
„Wird das meinem Vater keine Unannehmlichkeiten zuziehen?“ fragte Maria beſorgt.
„Bewahre, es hängt ja ganz allein vom Polizeipräfekt ab, wie weit er dieſe Sache verfolgen will. Dann ſagen Sie ihm, dieſe beiden Deſerteure hätten ſchon damals in Mülhauſen Sie verfolgt, nun ſeien ſie in Paris Ihnen begegnet und Sie müßten befürchten,


