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„Wenn er reich iſt, könnte er Dir wohl eine Summe zur Gründung eines eignen Etabliſſements vorſtrecken,“ meinte Nikolas nach einer Pauſe,„bei Deinem Talent und Deinem Fleiße iſt ihm das Geld ja ſicher.“
Otto ſchüttelte den Kopf, ein höhnendes Lächeln glitt über ſein biederes Geſicht.
„Ich mag nicht mit geliehenem Gelde anfangen,“ ſagte er,—
„am wenigſten aber mit dem Gelde meines Bruders, der dieſen Vorſchuß als ein Almoſen betrachten und dennoch Wucherzinſen davon fordern würde.“
Der Wagen hielt vor einem Gaſthofe erſten Ranges, das junge Ehepaar ſtieg aus und ging hinein.
„Teufel, die Dame iſt ſchön,“ ſagte Nikolas, als der Lichtſtrahl voll auf die Beiden fiel.
„Schön, aber kalt,“ erwiderte Otto,„eine Marmorſtatue.“
„Sie ſcheint in jeder Beziehung zu ihrem Gatten zu paſſen. Willſt Du hier warten, oder in unſere Herberge zurückkehren?“
„Wenn Du nicht lange zu bleiben gedenkſt.“
„Keinesfalls.“
„Dann ziehe ich vor, hier zu warten.“
„ielleicht bin ich ſchon binnen wenigen Minuten zurück.“
Otto trat hinein, er wechſelte mit dem Portier, der ihn vom Scheitel bis zu den Fußſohlen muſterte, einige Worte, dann ſtieg er langſam die breite Treppe hinauf. 8
Neununddreißigſtes Kapitel.
Im Bondoir!
Maria Latour ſaß, das Köpfchen auf die Hand geſtützt, in Ge⸗ danken verſunken in ihrem mit allem erdenklichen Luxus ausge⸗ ſtatteten Boudoir.
Ein halb trotziges, halb wehmüthiges Lächeln umſpielte ihre Lippen, und es konnte auch für den, der ihre Vergangenheit nicht kannte, keinem Zweifel unterliegen, daß dieſes Lächeln mit ihrem Denken in innigſter Verbindung ſtand.
Wer aber konnte wiſſen, welche Bilder in dieſem Augenblick an ihrer Seele vorüberzogen!
Dieſes Lächeln konnte dem Haſſe gelten, den ſie noch immer
Fünfmalhunderttauſend Thaler. 19
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