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geknickt hatte, ſie wußte, daß ſie fortan auf den Sonnenſchein des Lebens verzichten mußte, daß es eine vergebliche Hoffnung war, an die Möglichkeit der Rückkehr des entſchwundenen Lebensglücks zu denken, aber ſie wollte wenigſtens äußerlich ſtark und ruhig ſcheinen, um dem Vater keinen Anlaß zu Sorgen und Kummer zu geben.
Als die Beiden Paris erreicht hatten, ſahen ſie ſich nach einer beſcheidenen Herberge um, in der ſie ein Obdach für die Nacht finden konnten.
Da ſie am nächſten Morgen in aller Frühe die Reiſe antreten wollten, ſo zogen ſie vor, in der Nähe des Bahnhofes zu über⸗ nachten und hier fanden ſie bald, was ſie ſuchten.
Sie ließen ſich ein Zimmer anweiſen, legten dort ihr Gepäck nieder und beſchloſſen, da es noch ziemlich früh war, vor ihrer Abreiſe die Boulevards noch einmal zu beſuchen.
Die prachtvollen Schauläden mit ihren großen Fenſtern, aus denen ein Lichtmeer ſich über die Straße ergoß, die geputzten Damen, die eleganten Equipagen und das bunte, reichbewegte und geräuſchvolle Leben feſſelten ihre ganze Aufmerkſamkeit ſo ſehr, daß ſie nicht bemerkten, daß ſchon ſeit einer geraumen Weile ein feingekleideter Herr ihnen folgte, der ſie ſcharf und unverwandt beobachtete.
Sie ſahen auch nicht, daß dieſer Herr von Zeit zu Zeit mit einigen Herren, die ihm begegneten, leiſe einige Worte wechſelte und dabei auf ſie deutete, und daß, als jener Herr endlich in eine Seitenſtraße einbog, ein Anderer die Verfolgung fortſetzte.
Sie wanderten langſam durch die Menge, bald hier, bald dort irgend einem Laden oder einer Perſon ihre Aufmerkſamkeit widmend.
Plötzlich blieb Otto ſtehen, er umklammerte in fieberhafter Erregung den Arm ſeines Freundes und deutete auf eine offene Equipage, die langſam an ihnen vorbei fuhr.
In dieſer Equipage ſaßen zwei Perſonen, ein Herr und eine Dame, beide noch jung, beide in eleganter, gewählter Toilette.
„Mein Bruder Heinrich,“ ſagte Otto mit lebhaften Zeichen der Ueberraſchung,„wie kommt er hierher?“
„Es wird ein Irrthum ſein,“ erwiderte Nikolas zweifelnd, „wenn Dein Bruder wirklich hier wäre, würde er Dir doch zuvor geſchrieben haben.“
„Das hätte ich auch erwartet, aber—— nein, nein, er iſt es, ich ſehe es jetzt genau.“
Er wollte auf den Wagen zuſtürzen, Nikolas hielt ihn zurück.
„Ruhig,“ ſagte er,„dieſe lebhafte Begrüßung könnte einen Auflauf hervorrufen, Du weißt ja, wie neugierig die Pariſer ſind. Wir wollen dem Wagen folgen und warten, bis er hält.“


