wenn der letztere geeignet war, das Band zu löſen, ſo mußte der Inhalt des erſteren daſſelbe wieder neu und dauerhafter denn zuvor befeſtigen.
Achtunddreißigſtes Kapitel.
Die Liebe ſiegt!
Valerie glaubte das Spiel gewonnen zu haben, als ſie den Brief Eugenie's geleſen hatte.
Auch Michelet hegte die Hoffnung, daß Otto auf dieſen Brief hin das ihm angebotene Glück nicht länger zurückweiſen werde.
Nikolas dagegen, den der Fabrikant in's Vertrauen gezogen hatte, äußerte ſtarken Zweifel, er konnte nicht glauben, daß Otto ſich durch dieſen Brief beſtimmen laſſen werde, ſeiner Jugendliebe zu entſagen.
Noch an demſelben Morgen, an welchem der Brief angekom⸗ men war, ließ Michelet den jungen Mann in ſein Kabinet rufen.
Er ſagte ihm, daß Valerie an Fräulein Schirmer geſchrieben habe und daß die Antwort der letzteren eingetroffen ſei; er legte ihm dieſe Antwort vor und bat ihn, nun einen Entſchluß zu treffen, wie er ihn vor Gott und ſeinem Gewiſſen verantwor⸗ ten könne.
Otto war darauf vorbereitet, er hatte den Brief der Tante Thereſe bereits erhalten.
Er las das Schreiben Eugenie's ſehr aufmerkſam und über⸗ reichte darauf ſeinem Chef den Brief, den er empfangen hatte.
„Leſen Sie das,“ ſagte er,„dann werden Sie die Ueberzeugung erhalten, daß Fräulein Schirmer jene Zeilen mit blutendem Her⸗ zen geſchrieben hat, daß ich ein ehrloſer Menſch wäre, wenn ich das Vertrauen und die Hoffnungen meiner Geliebten täuſchen wollte.“
Die Stirne Michelet's umdüſterte ſich mehr und mehr, ein tiefer Seelenſchmerz prägte ſich in ſeinen Zügen aus.„So ſchütze Gott mein armes Kind,“ ſeufzte er, nachdem er den Brief geleſen hatte.„So ſchwer es mir auch wird, ich muß Ihnen Recht geben, Sie können nicht anders handeln, wenn Sie Ehre und Gewiſſen rein halten wollen.“
„Sie zürnen mir nicht deshalb?“ fragte Otto.
„Weshalb ſollte ich Ihnen zürnen?“ fuhr Michelet leiſe fort,


