Hochmuth ſeiner Gattin erbitterte.„Otto iſt ein vernünftiger, ehrenwerther Menſch, er wird ſelbſt am beſten wiſſen, weshalb er auf das ihm angebotene Glück, wie Du es nennſt, verzichtet.“
„Weshalb?“ fuhr Frau Schenk auf.„Herr Michelet ſchreibt es ja ganz ausführlich. Wegen der angeblichen Verlobung mit Fräulein Schirmer. Eine ſchöne Verlobung! Die Beiden haben nie ein Wort miteinander gewechſelt, und wenn Otto um die Hand dieſes Fräuleins werben wollte, würde Herr Schirmer dem armen Schloſſergeſellen mit dürren Worten die Thüre zeigen.“
„Na, was kümmert das uns!“ ſagte der Schenkwirth unge⸗ duldig.„Otto muß wiſſen, was er zu thun hat, in dergleichen Dingen ſollen die Eltern nicht eingreifen.“
„Das ſage ich auch,“ erwiderte Tante Thereſe, die noch nicht zu Wort kommen konnte,„man muß in dieſem Punkt den Dingen ruhig ihren Lauf laſſen.“
„Wenn Otto zweifelhaft wäre, würde er doch ſelbſt geſchrieben haben,“ meinte Helene.
Frau Schenk ſchien dieſe Oppoſition nicht erwartet zu haben. „Wenn man das nicht einſieht, dann will man's nicht einſehen,“ ſagte ſie, ſich mehr und mehr ereifernd, während ſie mit den Händen auf den Tiſch einen Parademarſch trommelte,„ein ſolches Glück wird Wenigen und auch dieſen nur einmal im Leben ge⸗ boten! Freilich, wenn die gebratenen Tauben angeflogen kommen, darf man den Mund nicht ſchließen, wer das thut, iſt ein Thor und ein Narr zugleich. Fräulein Schirmer kann durchaus keine Anſprüche auf unſern Sohn machen, Fräulein Stern, das bitte ich zu berückſichtigen, ſie hat nicht das Recht, ſich zwiſchen Otto und Fräulein Michelet zu ſtellen und die Beiden eines Glückes zu berauben, welches ihnen wohl nie wieder geboten wird!“
„Hei, das geht ja, wie ein Rad am Dampfwagen!“ ſagte der Schenkwirth, während er zu dem Parademarſch den Takt auf dem Deckel ſeiner Doſe ſchlug.
„Fräulein Schirmer wird alſo nichts dagegen einwenden kön⸗ nen, wenn ich ſie bitte, in dieſem Sinne an Fräulein Michelet zu ſchreiben,“ fuhr die Mutter fort, ohne den Einwurf ihres Gatten zu beachten,„das wird unſerm Sohne die Augen öffnen und ihn von der thörichten Idee, daß eine frühere Verlobung ihn binde, heilen.“
Ein ſarkaſtiſches Lächeln umſpielte die Lippen der Tante Thereſe.
„Das wäre ein Vorſchlag zur Güte,“ ſpottete ſie.„Fräulein Schirmer ſoll an Fräulein Michelet ſchreiben, ſie kenne zwar den Menſchen von Anſehn, aber Anſprüche könne ſie an ihn nicht machen und weil ſie das nicht könne, ſo verzichte ſie auf alle Rechte. Natürlich ſoll ich das Fräulein dazu überreden, es han⸗
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