Jahrgang 
2
Einzelbild herunterladen

278

habe,ſie wird mich beſtimmen wollen, Dich zur Entſagung zu bewegen, ich kenne dieſe würdige Dame, die vor allen Dingen den materiellen Vortheil im Auge hat.

Geh' hinüber und höre, was ſie will, erwiderte Eugenie, ich werde inzwiſchen meinen Entſchluß faſſen.

Nur nicht übereilt, liebes Kind.

Was wäre da zu übereilen? Dieſe junge Dame hat gerechte Anſprüche auf ſeine Liebe, er kann und darf nicht undankbar ſein

Bah, das iſt romantiſche Mondſcheinſchwärmerei, warf Tante Thereſe geringſchätzend ein.Wenn Otto Dir treu bleiben will, ſo haſt Du kein Recht, ihm deshalb zu zürnen.

Tante Thereſe bekräftigte ihre letzte Anſicht durch ein ſehr lebhaftes Kopfnicken und entfernte ſich mit dem Verſprechen, ſo raſch wie möglich zurückzukehren.

Frau Schenk hatte nicht allein ihrem Gatten, ſondern auch ihrer Tochter befohlen, bei der Unterredung mit Fräulein Stern zugegen zu ſein und ſie in ihrem Vorhaben kräftig zu unterſtützen.

So fand denn Tante Thereſe die ganze Familie verſammelt, ſie errieth ſofort die nahe liegende Abſicht, die keineswegs geeignet war, ſie zur Nachgiebigkeit geneigt zu machen.

Wir haben einen Brief aus Frankreich erhalten, nahm Frau Schenk das Wort, nachdem Tante Thereſe ſich auf den ihr ange⸗ botenen Stuhl niedergelaſſen hatte.Sie nehmen an unſerm Sohne Otto einen herzlichen Antheil, daß wir Ihnen den Inhalt dieſes Briefes nicht vorenthalten dürfen.

Otto ſelbſt hat Ihnen geſchrieben? fragte Tante Thereſe, während ſie mit ihren klugen Augen die Hausfrau forſchend anblickte.

Er ſelbſt nicht, ſein Prinzipal, fuhr die Mutter zögernd fort,es handelt ſich um die Zukunft unſeres Sohnes. Die Tochter ſeines Prinzipals liebt Otto, ſie wiſſen ja, daß ſie ihn in ſeiner Krankheit ſo aufopfernd gepflegt hat. Herr Michelet iſt ein ſehr reicher Mann und Valerie ſein einziges Kind.

Ich gratulire! ſagte Tante Thereſe trocken.

So weit ſind wir noch nicht, warf Bertram Schenk ein, während er geräuſchvoll eine Prieſe nahm.Es iſt da noch ein Haar in der Butter

Welches ſich aber ſehr leicht entfernen läßt, ergänzte Frau Schenk, ihrem Gatten einen unwilligen Blick zuwerfend.Herr Michelet iſt bereit, ſeine Einwilligung in die Verlobung ſeiner Tochter mit unſerm Sohne zu geben und ihm nach der Hochzeit die Leitung des ganzen Etabliſſements zu übertragen, aber Otto glaubt ſich gebunden. Er hat ſeinem Prinzipal erklärt, er dürfe

4