„„Ich muß ja. Aber nur unter der Bedingung, daß Sie ſchweigen und den Wechſel in Ihrer Kaſſe liegen laſſen. Alſo dreizehntauſend Thaler?“
„Sagen Sie fünfzehntauſend.“
„He— Sie wollen—“
„Ruhig. Ich denke mir, Sie ſind augenblicklich abgebrannt, ſchreiben Sie fünfzehntauſend, ſo zahle ich Ihnen achtzehnhundert Thaler aus. Es wäre ja möglich, daß Sie mit dieſem Gelde am grünen Tiſch Glück hätten!“
Liebmann nickte, das Anerbieten war ihm ſehr willkommen, er hätte nicht gewagt, den Wucherer um ein weiteres Darlehn anzuſprechen.
„Auf wen ſoll ich den Wiſch ausſtellen?“ fragte er.
„Nehmen Sie irgend eine Firma— warten Sie, hier habe ich die Unterſchrift der Herren Otto Schirmer und Sohn, die Handſchrift iſt der Ihrigen ziemlich ähnlich.“
Der junge Mann füllte das Formular aus; noch einmal zögerte er, es ſchien faſt, als ob er die Vorwürfe des Vaters dem Verbrechen vorziehen wolle, denn er machte eine Bewegung, als ob er entſchloſſen ſei, die Feder niederzulegen und den Wechſel wieder zu vernichten. Aber dieſen Entſchluß, wenn er wirklich in ſeiner Seele erwacht war, ließ er ſehr raſch wieder fallen, mit feſter Hand unterzeichnete er das Accept.
Die Fälſchung war geſchehen, es hing jetzt nur noch von dem Wucherer ab, ob die Thore des Zuchthauſes ſich für den Sohn des reichen Fabrikanten öffnen ſollten.
Jakob Herz prüfte den Wechſel ſehr ſorgfältig und über⸗ reichte darauf dem jungen Herrn einige Päckchen Banknoten, die dieſer, ohne ſie zu zählen, in die Taſche ſchob.
„Ich hoffe, Sie werden nun den Verfalltag nicht vergeſſen,“ ſagte er ernſt,„Sie wiſſen ja, wie ſchwer das Geſetz die Wechſel⸗ fälſchung beſtraft.“
„Und ich hoffe, Sie werden Ihr Wort halten und den Wechſel nicht aus den Händen geben,“ erwiderte Liebmann noch immer fieberhaft erregt,„thun Sie das letztere, ſo erhalten Sie von Ihrer ganzen Forderung keinen rothen Pfennig.“
Er eilte hinaus, ohne das höhnende, teufliſche Lächeln zu be⸗ merken, welches bei ſeinen letzten Worten über das hagere Geſicht des Wucherers glitt.
Er war ſich ſehr wohl der ſchweren Schuld bewußt, die er ſich aufgeladen hatte, er kannte ſehr genau die Folgen, welche ſie haben konnte und wenn es ihm jetzt noch freigeſtanden hätte, den geſchehenen Schritt rückgängig zu machen, ſo würde er es ohne Bedenken gethan haben.
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