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Als der Abend dämmerte, bemächtigte ſich ſeiner eine wachſende Unruhe, er warf von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Schwarz⸗ wälder Uhr, die in einer Ecke des Zimmers hing, und ſchüttelte dann jedesmal bedenklich das Haupt.
„Er wird nicht kommen,“ ſagte er,„Schenk hat ſich verrech⸗ net. Wahrſcheinlich zieht er vor, ſeinem Vater gute Worte zu geben,— mir kann's recht ſein; wenn ich mein Geld erhalte, bin ich's zufrieden.“
Er zündete die Lampe an und öffnete eine eiſerne Schatulle, in der er ſeine Dokumente aufbewahrte.
Cine Stunde mochte verſtrichen ſein, während welcher Jakob Herz den Inhalt der Schatulle ſorgfältig geprüft hatte, als plötz⸗ lich die Hausglocke ungeſtüm gezogen wurde.
Der Wucherer ging hinaus, um zu öffnen, er kehrte gleich darauf, von Karl Liebmann begleitet, zurück.
Der junge Mann trug unter dem Paletot noch den Frack und die weiße Weſte, aber der Ausdruck ſeiner verſtörten Züge und ſein wirrer Blick ließen ihn eher als einen Leidtragenden, denn als einen Hochzeitsgaſt erſcheinen.
„Ich komme noch einmal zu Ihnen,“ ſagte er,„trotzdem Sie heute Morgen mich ſo barſch abgewieſen haben. Sie müſſen mir noch einmal einen Ausſtand bewilligen.“
„Ich habe Ihnen die Gründe genannt, die mir das verbieten,“ unterbrach der Wucherer ihn rauh,„ich meine, dieſe Gründe müßten Sie anerkennen!“
„Aber Sie haben doch früher nie an dieſe Gründe gedacht,“ fuhr Liebmann mit wachſender Erregung fort,„Sie waren doch früher ſtets bereit, die Wechſel zu prolongiren.“
„Ja früher— aber endlich muß es doch einmal ein Ende haben,“ ſagte Herz barſch.„Die Summe iſt nachgerade hoch ge⸗ nug angelaufen, auf dem Papier nützt ſie mir nichts.“
In den Augen Liebmann's blitzte es auf.
„Wodurch iſt ſie ſo hoch angelaufen?“ erwiderte er gereizt. „Durch Ihre Zinsrechnung. Sie beträgt jetzt ſchon nach ſechs Monaten zwölf tauſend Thaler, und doch habe ich damals nur achttauſend vierhundert Thaler erhalten.“
Der Wucherer nickte, ein höhnendes Lächeln umſpielte ſeine Lippen.
„So iſt es,“ ſagte er ruhig,„aber bedenken Sie auch den Riſiko!“
„Welchen Riſiko?“
„Du lieber Gott, iſt mir denn das Geld ſo ſicher? Sie haben einen reichen Vater, ich gebe es zu, aber wenn dieſer Herr Ihre Schulden nicht tilgen will?“
„So bleibt Ihnen—“


