— 82—
den Felsſpalten ſuchten, immer noch in ſeiner Andacht. Er regte ſich nicht bei ihrer Ankunft, ſondern blieb ſtarr wie eine Bildſäule, ohne die Farbe zu wechſeln oder eine Muſkel zu bewegen. Mit Erſtaunen, das nicht frei von Furcht war, erfüllt, ſchleppten ſie ihn vor den Marquis von Cadix.
Er war in einen groben Albornoz oder Mauriſchen Mantel eingehüllt; ſein Bart war lang und grau, und etwas Wildes und Trauriges lag in ſeinem Blick, das Neugier und Theilnahme einflößte.
Als er gefragt ward, gab er ſich für einen Heiligen aus, welchem Allah die Ereigniſſe geoffenbart, die ein⸗ treten würden bei dieſer Belagerung. Der Marquis fragte, wann und wie Malaga eingenommen werden würde. Er antwortete, er wiſſe es ſehr wohl, aber es ſey ihm verboten, dieſe wichtigen Geheimniſſe jemanden anders zu offenbaren, als dem König und der Königin.
Der gute Marquis war abergläubiſchen Einbildungen nicht mehr ergeben, als andre Befehlshaber ſeiner Zeit; doch ſchien etwas Seltſames und Geheimnißvolles an dem Manne; er konnte eine wichtige Nachricht mitzutheilen haben; daher entſchloß er ſich, ihn an den König und die Königin zu ſenden. 5
Er ward in das fürſtliche Zelt geführt, eine neugie⸗ rige Menge umgab ihn, und ſchrie:«der heilige Maurel) denn die Nachricht hatte ſich durch das Lager verbreitet, man habe einen Mauriſchen Propheten gefangen. 1 Der König hatte eben zu Mittag geſpeiſt und hielt


