138 Münchhauſens Biographie. t Empfang eines tuͤrkiſchen Geſandten.
Ein benachbarter Monarch erwartete bald nach dem Antritt meiner Regierung einen tuͤrkiſchen Geſandten. Er ließ, da ihm an der Freundſchaft der hohen Pforte gelegen zu ſein ſchien, den Magiſtrat von Schilda, wo der Ge⸗ ſandted urchreiſen mußte, bitten, den Tuͤrken gut und ehren⸗ voll aufzunehmen. Man kann ſich leicht vorſtellen, daß dieſe Bitte eines erlauchten Hauptes die Vorſteher der Schild⸗ buͤrger⸗Republik nicht minder kitzelte als den heiligen Vater ehedem die jaͤhrliche Zelter-Ambaſſade eines ſehr andaͤchtigen Konigs. Wir beſchloſſen alſo dem Geſandten ſo viel Ehre zu erzeigen, daß er unſer Staͤdtchen bei dem Großſultan zu ruhmen in Verſuchung kommen ſollte.
Aber wie war der Geſandte auf eine recht auffallende Art zu empfangen?— Wie wir uns gegen Fuͤrſten zu ver⸗ halten hatten, das wußten wir wohl, aber kein Titular- und Complimentirbuch enthielt ein Capitel, welches das turkiſche Ceremoniel geſchildert haͤtte. Wir ſchlugen eine Menge Reiſebeſchreibungen nach, von den allgemeinen Reiſen zu Waſſer und zu Lande an bis auf die Hammer's und fanden zwar Erzaͤhlungen von Audienzen beim Großſultan und ſelbſt beim Großmogul genug, aber nirgends Regeln uͤber den Em⸗


