58 Der Burgundiſche Poſtillon.
knecht Miene macht, einen Griff auszufüͤhren, der ſie wahr⸗ ſcheinlich beſiegt haben wuͤrde, ergreift die zarte Jungfrau die Flucht; der verliebte Galopin verfolgt ſie, wird aber durch irgend etwas im Laufen gehindert, ſo daß die Fluͤch⸗ tige das Wirthshaus zuerſt gewinnt und ihrem Verfolger die Thuͤr deſſelben dicht vor der Naſe zuſchlaͤgt. Beſturzt greift er nach ſeiner Naſe, die wahrſcheinlich mit der Thuͤr in eine unſanfte Beruͤhrung gerathen iſt, und ruft laut aus:
— O Liebe, Liebe! Belohnſt du mich ſo?
Jetzt will er zu dem Tiſche zuruͤckkehren, an dem Jean⸗Marie ſitzt, die Fuße verſagen ihm aber den Dienſt, er ſchwankt hin und her.
— Hoͤre, Jean⸗Marie, ich habe jetzt ſo viel Beine und kann doch nicht laufen; vorzuglich das eine hindert mich hartnaͤckig am Gehen!
— Setz' Dich wieder zu mir, wir wollen noch trinken.
— Ja, ſtammelt der Liebegeſchwaͤngerte, wir wollen noch trinken, und wenn ich auch hundert Beine erhalte! Weißt Du was, Jean⸗Marie, da wir einmal ſo froͤhlich ſind, ſinge mir das ſchoͤne Lied vor, das ich erſt ein einziges Mal gehoͤrt habe; ich will es lernen!
Auch auf den Poſtillon hatte der Wein ſeine Wirkung nicht verfehlt. Schon von Natur heiter und zur Froͤhlich⸗ keit geneigt, war der arme Jean⸗Marie ſo aufgeregt, daß


