Teil eines Werkes 
3. Band (1846)
Entstehung
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dann fuhr ſie mit noch mehr Wärme, als zuvor, fort:

Es iſt kein Feind, der Sie um Hülfe anfleht, es iſt ein beſiegter, ein ſterbender Mann, der um⸗ kommt, wenn Sie ihn nicht retten. Haben Sie Mit⸗ leid mit ihm, Erbarmen mit mir! Sie ſind Solda⸗ ten, fuhr ſie langſamer fort, indem ſie unruhig die finſtern Geſichter der fremden Retter betrachtete, die Sie um Hülfe angefleht hatte Sie ſind Solda⸗ ten und keine Henker, Sie werden einen armen Ver⸗ wundeten nicht angreifen, der ſich nicht vertheidigen kann!

Die Banditen antworteten nicht. Mit einer Art wilder, blödſinniger Freude betrachteten ſie das rei⸗ zende Geſicht der Gräfin von Porteau. Während ſie ſprach, flüſterten ſie unter ſich und begleiteten ihre Worte mit einem gemeinen Lächeln. Ihre lüſternen Blicke waren ſtarr auf die arme Johanna gerichtet und erinnerten ſie bald an die Unordnung ihrer Klei⸗ dung. Eine raſche Röthe überzog ihre bleichen Wan⸗ gen. Raſch kreuzte ſie ihre Hände, um züchtig ihre halbnackten Schultern zu bedecken und ſenkte ver⸗ zweiflungsvoll das Haupt, denn ihr ward in dieſem Augenblicke klar, daß ſie von dieſen Leuten weder Schonung noch Erbarmen zu erwarten hatte.