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Schlecht gekleidet und ſchlecht bewaffnet, ohne Führer und ohne Disciplin ſah man ſie der Armee nachziehen; wie ein Schwarm Raben folgten ſie der blutigen Spur des Krieges, fielen nach dem Kampfe auf das Schlachtfeld, plünderten Todte und Ver⸗ wundete und metzelten die Beſiegten ohne Gnade und Barmherzigkeit nieder. Sie ſchienen ſelbſt einen Stolz in Ausübung der Grauſamkeit und Rohheit zu ſuchen, denn nicht ſelten ſah man ganze Haufen unter ſich wetteifern, die größten Abſcheulichkeiten auszuüben.
Auf Johanna's Rufen waren dieſe Banditen nun herbeigeeilt, denn ihr teufliſcher Inſtinkt ſchien ſie errathen zu laſſen, daß ihrer Raubluſt ſich hier Beute darbietet.
Nachdem Johanna verzweiflungsvoll um Hülfe gerufen, war ſie zu dem Verwundeten wieder zurück⸗ gekehrt und bemühete ſich vergebens, den letzten Le⸗ bensfunken anzufachen, der mit jedem Augenblicke zu erlöſchen drohete. Ohne auf die gemeinen Geſichter derjenigen Rückſicht zu nehmen, die ſie als Rettung und Hülfe bringende Menſchen betrachtete, rief ſie ihnen bei ihrem Eintritte in das Zimmer in einem höchſt rührenden Tone entgegen:
„Ach, meine Herrn, kommen Sie ſchnell zu Hülfe! Der Himmel ſendet Sie Retten Sie meinen Henrh, retten Sie ihn bei Allem, was Ihnen heilig iſt!“
Ein rohes Gelächter unterbrach die unglückliche Johanna. Ueberraſcht ſchwieg ſie einen Augenblick,


