19
So bleiben wir drei Stunden zuſammen, und unter dem Geſpräche, das ſich nur um ſie dreht, ent⸗ ſchwindet uns raſch die Zeit.
Inzwiſchen kommt Beſuch und der Ingalide muß mich verlaſſen. Als er fortgeht, ruft er mir zu:
„Auf Morgen!“
Acht Tage ſind nun wieder verfloſſen, und in unſern Nachforſchungen hat ſich noch kein Reſultat herausgeſtellt.
Vater Meunier iſt der Verzweiflung nahe.
Eines Tages ſagt er zu mir:
„Ich glaube, daß unſere Bemühungen vergebens ſind, ich werde meine Tochter wohl nie wiederſehen. Vielleicht will es der liebe Gott, will mir dadurch eine verdiente Strafe auferlegen?“
„Womit könnteu Sie das verdient haben, Herr Meunier? Sie lieben Ihre Tochter— iſt das etwas Schlechtes? Sollte ein Vater ſtrafbar ſein, wenn er ſeine Kinder liebt?“
„Wenn aber die Liebe zu dem Einen zur Un⸗ gerechtigkeit gegen die Andern wird? Und das iſt bei mir der Fall, Herr Bergeval. Ich habe meine Roſa zu ſehr geliebt, und dies machte mich ungerecht, hart ſelbſt gegen ein anderes Kind.
„Es iſt allerdings wahr, ich hatte einen Grund dazu; indeß war er nicht hinreichend, ſo zu handeln, wie ich gethan. Aber wir haben ja Alle unſere Schwächen, und jetzt ſcheint es mir, als ob der Him⸗ mel mich dafür ſtrafen wolle.“
2„


