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ten Züge müſſen einmal ſchön, obgleich ein wenig ernſt geweſen ſein; das Auge iſt ſchwarz und feurig, und ſtrahlt noch die Kraft des Jünglings, die ſtets bereit iſt, erlittene Beleidigung zu rächen.
Die Kleidung des Invaliden iſt einfach, aber anſtändig. Er trägt einen langen, blauen Ueberrock, der bis an den Hals zugeknöpft iſt, eine ſchwarze Cravatte, die einen weißen Halskragen ſehen läßt, und in der Hand einen runden Hut.
Der Greis grüßt mit ein wenig verlegener Miene; ich eile, ihm einen Stuhl anzubieten und zu fragen, worin ich ihm dienen kann.
Er ſetzt ſich und antwortet mit einem leichten Lächeln:
„Es muß Ihnen in der That ſeltſam erſcheinen, mein Herr, wenn ein Mann in meinen Jahren ſich en miniature malen laſſen will, denn ich komme in der Abſicht, von Ihnen⸗mein Portrait fertigen zu laſſen.“
„Sie irren ſich, mein Herr, wenn Sie glauben, daß nur junge Leute ſich malen laſſen. In jedem Alter macht das Geſchenk ſeines Portraits großes Vergnügen. Giebt es für Kinder ein ſchöneres Ge⸗ ſchenk als das Vild des Vaters?“
Meine Antwort ſchien dem Invaliden zu ge⸗ fallen.
Bewegt ſieht er mich an und ſpricht:
„Mein Herr, ich bin hoch erfreut, daß Sie meine


