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Ortes, der von allen Hausbewohnern gemeinſchaft⸗ lich benützt wird, mit Kreide angeſchrieben:
„Die Frauen, welche hier hineingehen, kommen nur entehrt wieder heraus.“
Wahrſcheinlich aus Furcht, auf friſcher That er⸗ tappt zu werden, hatte der Thäter in der Eile die erſte, beſte Thür genommen. Dies Qui pro quo be⸗ wirkte einen förmlichen Aufſtand im Hauſe. Den ganzen Vormittag ſieht man ſämmtliche Miethsleute ängſtlich zu der Thürſteherin laufen und fragen, was für Geheimniſſe an dem Orte der Bequemlich⸗ keit, wohinein Niemand zu dringen wagt, ſich er⸗ eignen. Viele werden dadurch in die größte Verle⸗ genheit geſetzt.
An einem ſchönen Wintermorgen male ich einen wunderhübſchen Kinderkopf, den die Mutter recht bald zu beſitzen wünſcht. Man öffnet die Thür mei⸗ nes Atelier's, und ich ſehe einen Greis mit einem Holzbeine, und das Band der Ehrenlegion im Knopf⸗ loch, obgleich er die Uniform der alten Soldaten nicht trug, zu mir eintreten.
Der Anblick des Invaliden erfüllt mich mit Ach⸗ tung, denn es war eine von jenen wirklich ſchönen Geſtalten, die durch ihr bloßes Erſcheinen imponiren.
Er iſt ein Mann von einigen ſechzig Jahren, groß und ſchlank und hält ſich kerzengerade. Nur an ſeinem Gange erkennt man den alten Militair. Seine Haare ſind ſchneeweiß, ſeine ſtark ausgepräg⸗


