32 ich eine mir bekannte Perſon, die betrachtend vor den Statuen ſteht. Es iſt ein alter Maler, den wir im Atelier und unter uns Vater Lebergevis nennen.
Er iſt ein ſtreng rechtlicher Mann und ſeine Converſation im höchſten Grade originell. Er hat Tglent, aber nie Glück gehabt.
Vater Lebergvis hat ſtets gewiſſenhaft gearbeitet, hat nur der Kunſt, nie dem Geſchmacke der Zeit huldigen wollen, ebenſowenig den frivolen Ideen ſeiner Zeitgenoſſen.
Solche Grundſätze ſind bei einem Künſtler ſtets geachtet; aber es iſt ſelten, daß er dabei reich wird.
Herr Lebergevis iſt ein ſehr gebildeter Mann, aber er hat die Schwachheit, ſeine Bildung gern ſehen zu laſſen. Das iſt ein großer Fehler bei einem Maler.
Seitdem Herr Lebergevis ſein ſechzigſtes Jahr zurückgelegt hat, malt er wenig Bilder; er beſchränkt ſich auf Unterrichtgeben.
So oft ich ihn ſeit einiger Zeit geſehen, ſchien er leidend und unglücklich; er mied aller Blicke und zog ſich von Geſellſchaften zurück..
Seit einem Jahre jedoch bemerke ich mit Ver⸗ gnügen, daß er nicht mehr ſo iſt, und daß mit ſei⸗
ner Geſundheit auch ſeine gute Laune und ſeine Fröh⸗
lichkeit zurückkehrt.
Ich nähere mich und berühre die Achſel des alten Malers, der ſich umwendet und lächelnd zu mir ſpricht, indem er auf die Statüen zeigt:


