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An den Wänden ſehen Sie Zeichnungen und Gemälde aller Größen, deren Gegenſtände Ihr Schaamgefühl empören, wenn Sie noch Schaam be⸗ ſitzen. Aber was Teufel wollen Sie mit Schaamge⸗ fühl unter Leuten, die das Nackte bearbeiten und die Natur in ihren kleinſten Theilen copiren?
An Möbeln finden Sie darin: Bänke, Stühle, Tabourets, Fußſchemel und Stiefelknechte.
Hier verſammeln ſich nun die Zöglinge eines be⸗
rühmten Malers, und ſchlagen natürlicherweiſe den Weg ihrers Lehrers ein. Sie eignen ſich ſeine Ma⸗ nier, ſein Benehmen, ſein ganzes Weſen an und wollen ſelten in andern Zöglingen Talent erkennen.
Die jungen Leute, die hierher kommen, um die Geheimniſſe einer Kunſt zu erlernen, welcher ſie ſich widmen wollen, ſind in der Regel gebildet, und ver⸗ ſtehen außer der Malerei noch andere Dinge; dies iſt immer von großem Vortheil, denn Vereinigung giebt Kraft, und alle Wiſſenſchaften, wie alle Ta⸗ lente, unterſtützen ſich gegenſeitig.
Wenn nun eine große Anzahl dieſer Leute an einem Orte verſammelt iſt, ſo muß nothwendig Ueberfluß an Fröhlichkeit, witzigen Einfällen, Wort⸗ ſpielen und Späßen vorhanden ſein.
Einer will den Andern überbieten, und ſind die Herren einmal im Fluß, giebt es kein Mittel, ſie aufzuhalten.
Mitunter überſchreiten ihre Späße die Grenzen, und ſehr traurige Reſultate haben ſich herausgeſtellt.
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