36
wohl aber der, der nicht wünſcht, was er nicht be⸗ ſitzt.—
Ich kenne dieſen Satz zwar im Lateiniſchen; aber ich fürchte, Sprachfehler zu machen.
3. Das Portrait.
Ein ganz natürlicher Wunſch ward in mir, dem Miniaturmaler, rege: das Portrait dieſer lieblichen Dame zu beſitzen, die ich vielleicht niemals wieder⸗ ſehen dürfte.
Ich führe immer ein kleines Skizzenbuch und ein Bleiſtift bei mir: wenn ich doch ſchnell ihr Profil zeichnen könnte, während alles mit dem Stück, das eben geſpielt wird, beſchäftigt iſt! Aber wenn die alte Dame an meiner Seite bemerkt, was ich treibe— doch, ſie hat die Kapuze ihres Regenmantels über den Kopf gezogen— ich will es verſuchen, indem ich mein Buch auf den Deckel meines Hutes lege.
Leiſe ziehe ich mein kleines Buch aus der Ta⸗ ſche— dann den Bleiſtift; jetzt lege ich mein Schnupftuch auf den Hut, neben das Schnupftuch das Büchelchen, daß ich es nöthigenfalls raſch damit bedecken kann, und beginne.
Ich kann nur das Profil zeichnen; doch gleich⸗ viel, ich werde mit dieſem Profil ſehr glücklich ſein.


