Teil eines Werkes 
1. Theil (1837)
Entstehung
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keit und legte all ihr Vergnügen darein, über Dich zuweilen mit mir zu ſprechen. Sie brachte dieſes kleine Mädchen zur Welt, das ich bald wie ſeine Mutter liebte, denn ſie beſaß ſchön ihre Sanftmuth und ihre Schönheit. Indeß erfuhr Suzon, daß ihre Mutter krank ſei; ſie verließ Alles, um zu ihr zu fliegen, und ich billigte dieſes Benehmen. Die Mutter Lukas ſtarb, indem ſie ihrer Tochter den Fehler verzieh, den ſie aus Liebe begangen. Suzon blieb in Ermenonville; ſie wollte ihren Vater, der nur ſte zu ſeinem Troſte hatte, nicht verlaſſen. Sie brachte acht Monate in ihrem Dorfe zu; nach Verfluß dieſer Zeit nahm ein bösartiges Fieber den guten alten Lufas hinweg. Ich war in Er⸗ menonville und zwang Suzon, mit mir zurückzukommen; ich hatte einige Mühe, ſie dafür zu beſtimmen, denn ſie wollte ihr Dorf und das Grab ihrer Eltern nicht verlaſſen; aber ich ſprach ihr wieder von Dir, und die Liebe trug den Sieg davon.

Kurz, mein lieber Guſtav, ich lernte die Tugenden und die lie⸗ benswürdigen Eigenſchaften Derjenigen, die ich aufgenommen hatte, mit jedem Tage mehr ſchätzen; eine heftige Krankheit hätte mich ohne die Sorgfalt, die Aufmerkſamkeit, die Hülfe Suzon's um's Leben gebracht. So viel Ergebenheit rührte mich, und ich fing an zu wünſchen, daß Du auf Deinen Reiſen keine Frau fändeſt, die Dich gänzlich feſſelte. Ich machte Suzon mit meinen Abſichten auf ſie be⸗ kannt.. Denke Dir ihre Freude!... Indeß bat ſie mich, Dir nicht von ihr zu ſprechen; ſie wollte Dich über Dein Herz ſchalten laſſen und Dich nicht hindern, neue Bande zu knüpfen. Aber mit welcher unruhe hörte ſie nicht Deine Briefe vorleſen, aus welchen ſie unaufhörlich zu entnehmen fürchtete, daß Du eine Wahl ge⸗ troffen habeſt!

Endlich haſt Du mir Deine Rückkunft angezeigt und ich

habe Dir Germain geſchickt, den ich unterrichtet hatte, wie er Dich

hieher bringen ſolle. Ich habe Deine Neugierde reizen wollen; ich fenne Dein Herz, Guſtav; aber ich habe geſucht, es lebhaft in

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