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„Suzon!... ruft Guſtav aus;„und ich habe Dich nicht erkannt!...— Ach, mein Freund! ich war ſo ſehr entſtellt!. ſo ſehr geſchwärzt, daß Du mich nicht erkennen konnteſt; und vor Dir trug ich Sorge, nur ſehr wenig zu ſprechen!...— Und warum dieſe Verkleidung?— Um in Deiner Nähe zu ſein, um
Dich jeden Tag zu ſehen, um Dich nicht zu verlaſſen!.—
Arme Suzon!... wie viel Kummer habe ich Dir verurſacht!— Als ich von Madame Henry weglief, faßte ich dieſen Plan; ich verkaufte, ich vertauſchte Alles, was ich beſaß, gegen Savoyar⸗ denkleider. Ach! ich war Mutter!... ich trug die Frucht unſerer Liebe unter meinem Herzen, und wenn Du bei mir vorübergingſt, hatte ich große Luſt, mich in Deine Arme zu werfen und Dir Alles zu geſtehen; aber die Furcht, abermals von Dir getrennt zu werden, hielt mich ab, dem Drange meines Herzens zu folgen.“
„Die arme Kleine fürchtete mich,“ fuhr der Oberſt fort; „doch bin ich nicht ſo bös, als ich ſcheine. Suzon war uns ge⸗
folgt; als wir von Paris abfuhren, ſtieg ſie hinten auf unſer Cabriolet, das in Saint⸗Germain umgeworfen ward. Du mußt
Dich erinnern, Guſtav, daß ich mich, um Deinen Wünſchen nach⸗
zugeben, nach dem Zuſtande des kleinen Savoyarden erkundigte.
Denke Dir meine Ueberraſchung, als ich hierauf in jenem Kind das junge Mädchen erkannte, das mir ſchon ſo viele Theilnahme eingeflößt hatte! Ich ſtillte den Schmerz Suzon's; ſie wollte ſter⸗
ben, weil Du ohne ſie abreisteſt; ich tröſtete ſie, indem ich ſie,
hoffen ließ, ſie werde Dich wiederſehen, und indem ich ihr ſchwur,
6 ich werde ſie nie verlaſſen. Indeß hütete ich mich wohl, Dir dieſe Begebenheit mitzutheilen; ich reiste augenblicklich nach Paris
ab und nahm den kleinen Savoyarden mit mir.
„Ich geſtehe, die Ergebenheit Suzon's, die Stärke und Auf⸗ richtigkeit ihrer Liebe, ihre Reinheit, ihre Jugend, Alles feſſelte mich ſchon an dies Mädchen. Ich ließ ſie in meinem Hötel wohnen
und ihre Erziehung beſorgen. Sie lernte mit S


