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Das Kind will ein großes, auf einem Seſſel aufgeſtelltes Gemälde nehmen, das Guſtav noch nicht bemerkt hat; die Kleine fann dies Gemälde, das beinahe ebenſo groß iſt, als ſie, kaum tragen; doch ſtellt ſie es vor ihre Mutter und ſchickt ihm Küſſe zu. Die junge Dame nimmt ihre Tochter wieder, küßt ſie und legt ſie vor dem Bilde auf die Kniee.„Bitte den Himmel,“ ſagt ſie,„daß Dein Vater mich noch liebt und daß er eines Tags zu uns zurückkommt.“
Guſtav kann ſeine Gemüthsbewegung nicht mehr bemeiſtern... Dieſe Stimme iſt ihm gut bekannt; er ſteigt auf das Fenſter, um das Portrait gleichfalls zu ſehen. er erkennt das wohlge⸗ troffene Bild. ſeine Kniee brechen... ſeine Thränen fließen... er iſt es, er iſt es wirklich, der auf dieſer Leinwand dargeſtellt iſt... allein dieſe Frau.. dieſes Kind... Er tritt in den Pavillon, er kommt näher.. kaum kann er ſeinen Augen trauen: es iſt Suzon, die vor ihm ſteht, ſich in ſeine Arme wirft und ihm ſeine Tochter darbietet... Er fällt vernichtet auf den Seſſel, den ſie einnahm.. ſein Herz hat die Kraft nicht, allen den Ge⸗ fühlen, die er empfindet, zu widerſtehen.
Man öffnet die Thüre eines kleinen Cabinets und der Oberſt Moranval erſcheint:„Mein lieber Guſtav,“ ſagt er, heiter gegen ſeinen Neffen vortretend,„Du haſt wohl daran gethan, daß Du allein zurück⸗ gekommen biſt, denn ich bewahrte Dir hier eine Frau und ein Kind.“
Guſtav vermag noch nicht zu antworten: er hält Suzon und ſeine Tochter in ſeinen Armen, er bedeckt ſie mit Küſſen.„Wohlan, wohlan, beruhige Dich,“ ſagte der Oberſt lächelnd;„Du mußt ſehr ungeduldig ſein, zu vernehmen, wie es gekommen iſt, daß Deine kleine Bäuerin, welche Du in Paris verlaſſen hatteſt, dieſe nämliche Dame iſt, welche Talente beſitzt und den Geſellſchafts⸗ ton hat. Wenige Worte werden Dich mit der Sache bekannt machen: jener kleine Savoyarde, der ſich vor dem Thore meines Hötels eingerichtet hatte... war Suzon!..


