253
hier ſind die Römer!“ ſagte Guſtav bei ſich ſelbſt, indem er dieſe erdfahlen und ſchmutzigen Menſchen betrachtete, die in den Straßen der Stadt umherſchwärmen, wo viele ihr Leben zubringen, ohne eine andere Wohnung zu haben, als eine Vertiefung zwiſchen zwei Eckſteinen, ohne eine andere Bedeckung, als einen durchlocherten und zerfetzten Mantel, ohne eine andere Nahrung, als in Waſſer gekochte Maccaroni. In Wahrheit, es iſt mir beinahe leid, daß ich nach Rom gekommen bin: ich verliere einen Theil der Täu⸗ ſchungen meiner Jugend, und ich fange an zu glauben, daß die einzige Frucht, welche man aus ſeinen Reiſen zieht, die Beur⸗ theilung des Unterſchieds iſt, der zwiſchen der Vergangenheit und der Gegenwart, zwiſchen den Träumen der Einbildungskraft und ver Wirklichkeit beſteht. Ohne Zweifel machen darum die Reiſen weiſer und bilden den Verſtand. Ich begreife in der That, daß Alles, was man ſieht, zu ſehr philoſophiſchen Betrachtungen Anlaß geben kann: eine Kirche, wo ein Cirkus war; ein Lotterie⸗Bureau neben dem tarpejiſchen Felſen; und Polichinells auf dem Platze, wo die Söhne des Brutus umkamen. Was würde dieſer trotzige Republikaner geſagt haben, wenn man ihm geweiſſagt hätte, daß ſein Vaterland eines Tages das der Taſchenſpieler, Hanswurſte und Marionetten ſein werde!...
Guſtav verließ Rom ohne Bedauern; Benvit ſehnte ſich nach den Paraden zurück, womit er ſich in der Stadt beluſtigt hatte. Unſer Held beſuchte einen Theil Italiens, begab ſich hierauf nach Spanien, Portugal, Deutſchland, Polen und zuletzt nach England.
Ueberall hatte unſer junger Mann Abenteuer; allein die Er⸗ zählung der Liebes⸗Angelegenheiten, die ſich faſt alle gleichen, würde wenig Reiz für den Leſer haben. Da, wo das Herz nicht mit im Spiele iſt, ſind die Verbindungen ſehr einförmig. Bei den Italienerinnen hatte Guſtav ſo zu ſagen nicht einmal nöthig, eine Erklärung zu machen, dieſe Damen erſparten ihm die Mühe; und was man auch von der Galanterie und Koketterie der Franzöſin
——


