erſtaunt, als er vernahm, daß Suzon ſeit zwei Monaten ſehr häufig an ihre Eltern ſchreibe, jedoch ohne ihnen ihre Adreſſe in Paris zu geben, weil ſie immer noch fürchtet, man möchte ſie mit Nikolas verheirathen. 6
„Sie hat ſehr Unrecht, das liebe Kind,“ ſetzt Mutter Lukas hinzu„Wahrlich, Nikolas Toupet. iſt verheirathet, er denkt nicht mehr an ſie. Was uns betrifft, nun, ſo waren wir im Anfang ihrer Flucht ſehr traurig und im Zorn; ſeit ſie uns aber ſo zärt⸗ liche Briefe geſchrieben hat, worin ſie uns ſehr um Verzeihung bittet für das, was ſie gethan hat, ach! meiner Treu, ich bin bereit, ihr zu verzeihen, und ich hoffe ſehr, daß ſie bald zurück⸗ kommen wird.“
„Sie iſt immer noch in Paris,“ ſagt ſich Guſtav,„und hat ſeit ihrer Flucht von der Tabuletkrämerin mich nicht zu ſehen ge⸗ ſucht? Suzon liebt mich alſo nicht mehr!.. Suzon hat es wie Andere gemacht! ſie hat die Vorſchläge irgend eines Wüſtlings angehört.. denken wir nicht mehr an ſie... ich bin ſehr dumm, daß ich glauben konnte, ein ſo hübſches Mädchen ſei treu ge⸗ blieben!... Vergeſſen wir ſie. möge ſie glücklich ſein können!...“
Der junge Mann verläßt das Haus, nachdem er Marie⸗Hanne Zeichen ſeiner Freigebigkeit zurückgelaſſen hat; er entfernt ſich von Ermenonville; allein er verſpricht ſich ganz leiſe, bei der Heim⸗ fehr von ſeinen Reiſen wieder dorthin zu gehen, um zu erfahren,
ob Suzon endlich zu ihren Eltern zurückgekommen iſt.
Guſtav begibt ſich geraden Weges nach Italien, ohne daß ihm irgend eine bemerkenswerthe Begebenheit aufſtößt. Er langt endlich in dem Vaterland der Cäſaren an, er beſucht das Capitol,
die Peterskirche, die Gräber der Päbſte, er findet noch in den
Trümmern der Tempel und Paläſte Zeichen von der Größe der Römer wieder, aber vergeblich ſucht er unter den Einwohnern die Spuren jenes ſtolzen und kriegeriſchen Volkes, er ſieht nur Bettler und Mönche, wo die Conſuln und Tribunen gelebt.„Und dies


