Teil eines Werkes 
1. Theil (1837)
Entstehung
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konnte ſie ihren Gemahl nür achten. So verdammen Eltern, die.

ihre Tochter einem Manne geben, den ſie nicht liebt, dieſelbe, ſich nie dem ſüßeſten Gefühl der Natur zu überlaſſen!... Arme Frauen!.. es gehört viel Tugend dazu!... und das ſchwächere

Geſchlecht, dasjenige, welches ohne Unterlaß der Gegenſtand un⸗

ſerer Verführungen iſt, ſoll die meiſte Kraft, Gefühlloſigkeit, Feſtigkeit zeigen!... In Wahrheit, all' dieſes iſt ſehr ſchlecht eingetheilt, und jene Herren, welche den Civil⸗Coder gemacht haben, hätten wohl auch den Natur⸗Coder mehr zu Rathe ziehen ſollen.

Das liederliche Subjekt Guſtav ſtellte alle dieſe Betrachtungen an, während er Julien anblickte, die vor ihrer Stickerei ſaß, indeß ihnen Fräulein Aurelie auf dem Piano die Arie Benjows⸗ ki's vorklimperte, wozu ſie ſang wie ein Vorſänger in der Kathe⸗ dralkirche. Nach dem Mittageſſen ging man an das Billard, wo Julie den Unterricht Guſtav's empfing: welches Vergnügen, in dieſem Spiel eine reizende Schülerin auszubilden! Der junge Mann ſpielte die Bälle immer in die Mitte des Billards, um Frau von Berly zu nöthigen, ſich ein wenig über das Billard auszuſtrecken; alsdann bewunderte er entzückende Formen, welche ein leichtes Monſſelinkleid verdeckte, ohne ſie zu verbergen. Um die Hand ſeiner Schüterin zu leiten, umſchlang er mit ſeinen Armen einen ſchlanken Wuchs; er terührte zuweilen einen Ala⸗ baſterhals; dann verirrten ſich auch ſeine Augen auf einem Buſen, den er zu küſſen brannte! Julie beklagte ſich, daß er ſie ſo häufig denſelben Stoß wiederholen laſſe; allein Guſtav lehrte mit ſo viel Geſchmeidigkeit, daß man nicht böſe werden konnte.

Fräulein Aurelie ſpielte nicht Billard; ſie hätte ihrer Würde etwas zu vergeben geglaubt, wenn ſie ein Spiel gelernt hätte, das ſie zu männlich fand. Ihre Augen drückten ein mit Aerger vetmiſchtes Erſtaunen aus, ſo oft ſich Julie und Guſtav in den Garten begaben; allein ſie wagte nicht, ſich Bemerkungen über das zu erlauben, was ſie leiſe die Narrheit ihrer Tante hieß.