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verbreitet war, gab den Manieren der Fräulein Aurelie eine Prockenheit, die weder Liebe noch Freundſchaft erweckte.
Das Fräulein erhob ſich bei der Stimme der Frau von Berly, verbeugte ſich vor Guſtav mit vielem Ernſte und nahm ihren Platz vor dem Piano wieder ein.
„Und dies,“ ſagte Guſtav zu ſich ſelbſt,„iſt die Frau, welche ich heirathen ſoll!... Wahrlich, mein lieber Onkel hat zu viel Güte. Uebrigens bin ich entzückt, in dieſes Haus gekommen zu ſein: ich werde gewißlich die Nichte nicht heirathen; wenn die Tante aber gefühlvoll iſt!...“
Frau von Berly forderte Guſtav auf, ſich hier wie zu Hauſe
zu betrachten.„Sie ſehen,“ ſagte ſie zu ihm,„daß mein Gatte ein Mann ohne Umſtände iſt; haben Sie die Güte, ebenſo zu ſein; ich werde ſuchen, Ihnen dieſen Aufenthalt ſo wenig als möglich langweilig zu machen.— Ach, Madame! bei Ihnen muß man ihn reizend finden.“
Und der junge Mann ergriff die Hand der jungen Tante und küßte ſie mit Aufwallung, während ihre Nichte die ihrigen auf den Taſten des Piano umherſpazieren ließ. Die Tante zog ihre Hand ſchnell zurück; allein der Blick, den ſie Guſtav zuwarf, drückte keinen großen Zorn aus.
„Zu Tiſche!... zu Tiſche!“ rief Hert von Berly, als er in den Salon eintrat:„was Teufel macht denn ihr hier, ſtatt in den Speiſeſaal zu kommen? Ah, ich errathe!... die jungen Leute ſtellten Unterſuchungen an, betrachteten einander, ſeufzten!„. Ha! ha! ha! nicht wahr, meine Frau, man ſeufzte ſchon?...—
Mein Freund, ich kann nicht ſagen...— Ja, ja, es iſt richtig
Du willſt davon nicht ſprechen!... Du haſt ein kaltes und ſtrenges Herz, Du denkſt nicht, daß man ſich ſo plötzlich entflammen könne!.. Ha! ha! Guſtav! meine Frau iſt ſonderbar! ſie lacht, ſte ſpöttelt, wenn ich ihr von den Leidenſchaften ſpreche, die ich
ehemals eingeflößt habe!... Vorwärts, das Eſſen wird kalt.


