Teil eines Werkes 
2. Band (1870)
Entstehung
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Erſcheinung nicht wieder geſehen, die ſie an die glücklichſten, ach auch an die elendeſten Tage ihres Lehens erinnerten. Wie ofi küßte ſie ihr einziges Kleinod, das ſie niemals verlaſſen ſollte, ſeitdem ſie es erhielt, wie oft drückte ſte das Kreuz an ihre Lip⸗ pen, das ſie ſo ſorgfältig vor den Augen aller Welt verborgen hatte, das Kreuz, welches jener unbekannte Erretter ihr von der Leiche ihres todten Vaters gegeben hatte.

In dieſes Kreuz waren drei Edelſteine eingelegt, ein rother, ein weißlich ſchimmernder und ein grüner. Gleiche Steine hatte ihr Trauring getragen, denn es waren die Farben in dem Wap⸗ pen der Familie Undentino. Aber diefer koſtbare Ring, denſelben, welchen ein Fiſcher an Emannel Undentinos Leiche gefunden ha⸗ ben wollte dieſen Ring, durch welchen allein die Erbſchaft der Un⸗ dentinos zu haben war, hatte ſie dem Arzte gegeben, der ihrem Kinde das Leben rettete, und deſſen Namen ſie nicht kannte. Oft wenn ſie inmitten ihrer ſchweren Arbeit in kurzen Schlummer verſank, ſerſchien ihr im Traume das Bild jenes wunderbaren Mannes und ſagte zu ihr, was er im Todtengewölbe, wo ſie ihn zum letzten Male erblickt hatte, zu ihr geſagt hatte.

Geh nach Paris, und ſuche den Ring! Und dann trat ihr jene andere räthſelhafte Erſcheinung entgegen, jener Mann im weißen Gewand mit dem rothen Kreuz auf dem Arm, und er ſprach leiſe:

Auch ich ſuche den Ring. Getroſt, wir werden ihn finden

Dieſer ſeltſame Traum wiederholte ſich ihr ſehr oft in der letzten Zeit.

Gott, dachte ſie, wenn ich den Ring beſäße, ſo könnte ich mit den Schätzen der Undentinos meinen Sohn aus ſeiner Verbannung beſreien. Glücklicher als auf einem Kaiſerthron ſollt⸗ er an meiner Seite leben, und wenn nicht ſchmeichleriſche Unter⸗ thanen ihn umgeben, ſo möchte ich es ihn lehren, wie man duſch Wohlthun treu ergebene Herzen um ſich ſammelt. Doch Alles, Alles iſt verloren! Ich habe den Ring von mir gegehen, und mir bleibt nichts als die Reue. Ach, in jener unglücſeligen

Nact verlor ich meinen Sohn und ſein Erbtheil zu gleicher Zeit.