Teil eines Werkes 
2. Band (1870)
Entstehung
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und legte es nackt neben das winſelnde. gräßlich entſtellte We⸗ ſen. Die Lampe brannte hell, Margarethe ſah mit Entſetzen auf die röchelnde Kranke, ihr Kopf war groß und unförmlich gewor⸗ den wie ein Kürbiß, das Geſicht war nur eine eiternde, blutige Maſſe, der Mund ſtand offen und ließ die mit großen weißen Puſteln bedeckte Znnge ſehen, ein unerträglicher Geruch drang aus ihrer Kehle. Die Ronne zog das Deckbett über Margarethe

— Zetzt wehe dir, wenn du Dich heraus wagſt, ſagte ſie und verließ das Zimmer.

Margarethe lag ſtill vor Grauſen und Entſetzen und wagte kein Glied zu rühren, aber ſie konnte die Blicke nicht abwenden von dem ſcheußlichen Anblick, den ihr die Lampe ſo grell beleuch⸗ tete, und immer mußte ſie denken: Morgen liegſt Du ſelber ſo da, und es iſt Niemand, der dir Waſſer reicht, um den inneren Brand zu kühlen.

Da ſah ſie neben dem Bette ein Glas mit einer weißen Flüſſigkeit ſtehen, in welcher ein Pinſel ſteckte, ſie dachte, es möchte Medizin ſein und netzte die Lippen der Sterbenden damit. Es konnte dem unglücklichen Mädchen keine Linderung mehr bringen, dennoch fühlte ſich Margarethe beruhigter, indem ſie etwas für ihre elende Bettgenoſſin zu thun vermochte. Als der Morgen kam, ging Kätens Winſeln in ein Röcheln über. Margarethe kannte dieſe Laute nicht, aber ſie fühlte ſich von Fnrcht durchſchau⸗ ert. Immer mußte ſie auf den ſchrecklichen Ton hören, bis er plötzlich ausſetzte, dann wieder begann und wieder ausſetzte und endlich verſtummte.

— Jetzt ſchläft ſie, dachte das Kind und fühlte ſich beruhig⸗ ter. Schon zeigte ſich die Sonne am Himmel, draußen läuteten die Glocken zur Frühmeſſe. Margarethe hoffte, die Nonne werde kommen, und ihr ihre Kleider bringen, doch kam ſie nicht. Schon hörte ſie, wie die Kinder zum Frühſtück in den Eßſaal gingen, und wie die Nonnen ſangen, doch ihr brachte Niemand Etwas. Die Käte lag ſo ſtill und ſchlief ſo feſt, ſie konnte ihr jetzt keine Arzenei einträufeln, die Augenblicke wurden ihr zu Stunden, die Minuten zu Ewigkeiten.

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