Teil eines Werkes 
2. Band (1870)
Entstehung
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Was ſollte der dem Prinzen erwiedern? Wenn er ſagte, er habe die Knaben in Penſion gegeben, dann wo te Lulu wiſſen, ob ſie noch nicht geſchrieben hätten, und wie ſie ſch da geſielen. Zedes

Wort, ſo unſchuldig es gemeint war, ſchien dem elenden Herzeg

ein Stich in das Herz zu ſein, er war froh, als Lulu zu ſeinem Vater zurückkehrte. Dieſer lag auf einem Polſterſtuhl, die Beine mit einem ſammtenen Teppich bedeckt, vor ihm ſtand ein Tiſch,

und auf dieſem lagen unzählige Berichte. Er las mit ſteigender Ungeduld, hier meldete ein Bürgermeiſter, daß die Ulanen in ſeine

Stadt godrungen ſeien und eine Kriegskontribution von ſo und ſo viel tauſend Franks erpreßt hätten, dort war ein Zug mit Lebens⸗ mitteln, die für die Armee beſtimmt waren, fortgenommen worden, dieſe, jene kleine Stadt war genommen, dieſes, jenes reiche Dorf eingeäſchert. Er zerknitterte die Verluſtliſten ſeines Heeres in den Händen, es ſtand manch' ein Name unter den Todten, den er ſchmerzlich bedauerte, aber er war mit Ehren in das Grab geſun⸗ ken, während den auf der Flucht Gefangenen die Schande folgte. Auch die deutſchen Zeitungen lagen vor ihm, neben den franzöſiſchen. Dieſe ſprachen von nichts als von Siegen der franzöſiſchen Waffen, von dem guten Geiſte der Truppen von der Liebe zu dem Kaiſer,

er wußte das Alles beſſer. Wie viel er verloren hatte, das erfuhr er genauer aus den feindlichen Berichten, ſo viel Gefan⸗ gene, ſo viele Adler, ſo viele Mitrailleuſen... er war außer ſich. Je weiter er las, um ſo ſchneidender wurde der Schmerz in ſeinem Leibe, ſeine Beine wurden ſchwer wie Bleiklumpen, eine Beängſti⸗ gung ſtieg ihm bis in die Bruſt hinauf, und vor ſeinen Augen flimmerte es.

Da meldete ihm der Kammerdiener den Herzog von Magenta, und noch ehe er eine Antwort zu ertheilen vermochte, trat Mac Mahon in das Zimmer.

— Ich bin leidend, lieber Herzog, ſagte der Kaiſer und hofte ſich dadurch den unbequemen Beſuch deſto ſchneller vom Halſe zu

ſchaffen. — Leidend, ſagte Wac Mahon, das find wir Alle. Wer

unter uns vermöchte dieſe Schmach mit gleichgültigem Herzen an⸗ zuſehen?