Teil eines Werkes 
2. Band (1870)
Entstehung
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zu verfolgen, denn die Ermüdung hatte Alle übermannt. Vom Morgen bis zur Nacht hatten ſie im Feuer geſtanden da ſchmeckt die Ruhe ſelbſt auf ſolch einer Lagerſtätte füß. Plötzlich ertönt Trommelwirbel, die Soldaten ſpringen empor und entblößen ihre Köpfe.

Es iſt ein ſtilles Gebet, welches ſie zu Gott dem Herrn em⸗ porſenden, es kommt aus der innerſten Tiefe der Bruſt: Vater, Dich loben wir, Vater, wir danken Dir! ſo murmeln die Lippen, iſt es doch ein großes Gefühl, dem Tode, der uns aus vielen tauſend Feuerſchlünden entgegendonnerte, glücklich entgangen zu ſein. Und die Verwundeten... ſo manches Auge ſchließt ſich unter dieſem Gebet, ſo manches von Schmerz erdrückte Gemüth rafft ſich empor zu neuer Hoffnung...

Und auf einmal bricht es wie Jubel auf aus vielen tauſend

Fehlen, und jauchzend, voller Zuverſicht, klingt es durch alle

Winde, hallt es von allen Hügeln: Lieb Vaterland magſt ruhig ſein— Feſt ſteht und treu die Wacht am Rhein! Das iſt ein Augenblick der Begeiſterung, die Krieger ſtürzen ſich in die Arme, ſie, die noch eben getödtet haben, ſie, die noch von dem Blute der Feinde geröthet ſind, ſie weinen voller Luſt, die hellen Thrä⸗ nen rinnen in den ſe tbigen Bart, die Hände falten ſich noch einmal! Ja, Gott hat Großes gegeben, das Vaterland iſt ge⸗ rettet, treu ſtand und feſt die Wacht, die es beſchützte! Und nun ſteigt der Mond empor und beleuchtet das weite Todtenfeld, und won den Hügeln blicken einſame verlaſſene Schlöſſer herab, romantiſch ſchön und ſtill inmitten dieſes wild bewegten Treibens. Da leuchtet hier und da im bleichen Strahl ein bleiches Geſicht. Die Hohlwege ſind mit Leichen angefüllt, Hunderte liegen beiſammen, der großen Mehrzahl nach Franzoſen, aber auch die Deutſchen hatten furchtbar gelitten. Und welch' eine Zerſtörung rings umher! Die Dörfer St. Privat, Verneville und Gravelotte in Trümmern, hier umgeſtürzte Kanonen, dort zerſchmetterte Mu⸗ nitionswagen, deren Inhalt explodirte. Zerſchoſſene Bäume hemmten oft den Weg, Kanonen ohne Pferde und ohne Mann⸗ ſchaft, ganze Haufen Leichen, weggeworfene Flinten, ein tolles

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