Teil eines Werkes 
2. Band (1870)
Entstehung
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ermatteten dünn gewordenen Truppen immer wilder und häufiger wurden, ward das erregte Hinſchauen des Generals von Moltke nach Süden, von woher das pommerſche Armeekorps kommen mußte, immer unruhiger.

Endlich, im raſcheſten Vorwärts, aber nicht einen Augenblick zu früh, erſchienen die Pommern, Moltke ihnen ſofort ent⸗ genen.

Wie er bei ihnen anlangt und die Vorderſten, das in aller Welt bekannu Geſicht erkennend, ſeinen Namen weitergaben, zieht er raſch den Degen, ruft kurze Worte in die Reihen und ſprengt dann hoch zu Roſſe weit voraus den Höhen zu.

Eine unbeſchreibliche Begeiſterung erfüllt die wackeren Trup⸗ pen. Durch die tiefen Kolonnen hindurch zieht ſich ein tauſend⸗ ſtimmiges Hurrah.„General Moltke führt uns ſelbſt in's Hand⸗ ge enge!“ heißt es unter den Offizieren. Man eilt ihm nach,

der Sturmſchritt der Pommern wird zum Wettlauf.

Nun wird auch bei den übrigen Truppen erneut Sturm ge⸗ blaſen. Sie ſammelten ſich noch einmal, ſie biſſen die Zähne über⸗ einander, die Trompete klingt, immer vorwärts, Sieg oder Tod, ott ſei mit Weib und Kind, auf Kameraden, wir müſſen ſie uns da herunter holen! So zieht es fort zu dem verzweifelten

Angriff und ha— die Feinde weichen! Nur weiter, weiter, laßt

ſie nicht zum Stehen kommen, nur nach, immer nach!

Das war ein Lauf über die Hügel, durch Thal und Wald! Die Sonne warf ihre letzten Strahlen auf ein ſchreckliches Bild. Die Feinde flohen; blutig vom Scheitel bis zur Sohle, mit Staub vedeckt, doch die Augen leuchtend vor Siegesfreude, ſo folgten unſere Truppen.

Als General von Moltke von ſeinen Adjutanten aus dem Feuer geholt wurde, war der Sturm ſchon im Weſentlichen vollbracht.

Der berühmte Feldherr ritt gemeſſenen Schrittes der Sele zu, wo er ſeinen Monarchen vermuthen mußte.

— Majeſtät, der Sieg iſt unſer, der Feind zieht ſi ſch zurück!

Mit rieſen geſchichtlich gewordenen Worten trat er vor Kö⸗ nig Wilhelm hin, der ihn freudig umarmte.

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