Teil eines Werkes 
2. Band (1870)
Entstehung
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einen Ring in der Hand und ließ, wie es ſchien, den Edelſtein, der ihn verzierte, in dem Licht der elenden Lampe ſchimmern, die auf dem Tiſche brannte.

Es war ein ſeltſamer Gegenſatz. Dieſer Mann, ſo vornehm und ſtolz in dieſer elenden Hütte, dieſe Koſtbarkeiten auf einem alten wackligen Tiſch, dieſes Weib in Männerkleidern... Ga⸗ briele blickte wie erſtarrt darauf hin. Das war derſelbe, den ſie jetzt wieder fand, nachdem ſie ihn in Nacht und Nebel vergeblich geſucht hatte, derſelbe, der ihrem einzig geliebten, ewig verlorenen Gatten ſo ſprechend ähnlich ſah, daß ſie meinte, er ſei aus dem Grabe auferſtanden.

Ungeduldig mahnte Friſchmuth zur Fortſetzung der Reiſe, ſie aber konnte die Blicke nicht von ihm abwenden, konnte ſich nicht losreißen von dem Anblick, in welchem ihr ganzes verlorenes Jugendglück wieder auflebte.

Da plötzlich warf der Mann den funkelnden Ring unter die äbrigen Kleinodien, das Weib ſchien zu ihm zu ſprechen, er aber wandte ſich mit einem Achſelzucken um.. jetzt fiel das Licht der Lampe ſcharf auf ſein Geſicht, und dies Geſicht war Gabrielen zugekehrt.

Aber ach, ſo ſicher ſie die Züge ihres geliebten Todten wie⸗ dererkannte, ſo fremd, ſo kalt erſchien ihr dieſes Antlitz. Sie ſchauderte zuſammen. Iſt er es, iſt er es nicht?

Ach, es geſchehen keine Wunder, Alphons Donato war todt, in ihren Armen hatte er ſeinen Geiſt ausgehaucht, die Räuber hatten ſeine Leiche in einen Felsſpalt geworfen, das konnte ſie ſich nicht oft genug wiederholen.

Sie ließ die Hand ſinken, die ſie bittend auf Withelm Friſch⸗ muths Schulter gelegt hatte. Er war zufrieden, endlich fortzu⸗ kommen, und leiteke ſeine Schecke weiter. Doch kaum waren ſie fünfzig Schritte von der Hütte entfernt, als plötzlich ein Schuß hinter ihnen her knallte.

Den Teufel auch, das wird ernſthaft! rief Friſchmuch.

etzt Schecke, gehe vorwärts, ich muß wiſſen, was das iſt.

Um Gottes willen, bat Gabriele, ſetzen Sie ſich keiner Gefahr aus!