geſſenheit gekommen, Ignaz; gerade wie's zuweilen den beſſern Landpfarrern beim General⸗Vicariat geht. Ich fand ſie, wie ich nach etwas Ertra⸗Gutem für uns ſuchte Es ſind meine letzten aus dem echten Weinjahre 48, mit⸗ hin unſere Altersgenoſſen. Was ſagſt du, Menſch, Prie⸗ ſter, Erjeſuit, Ignaz?— War das nicht ein herrliches, warmes Jahr, das ſolchen Wein und ſolche Geſellen wie uns gebracht hat? Da nimm dies Glas: wir wollen die Rebe, die dieſen Wein getragen und die Mütter leben laſſen, die uns geboren haben.— Ausgetrunken! rief er dem Freunde zu, der ſich mit ſeiner klugen Selbſtbeherr⸗ ſchung gewöhnt hatte, den Wein, beſonders den guten und ſtarken, nur zu ſchlürfen. Der ungeſtümer genießende Chambion füllte dann gleich wieder, mit der Aufforde⸗ rung: Und nun Freund, unſere ſchöne Jugend, unſere Studentenſchaft und Conventszeit, die lieben Jahre, da wir gleich dieſem Weine gegoren und gebrauſt haben! Trink“ trinke!
Sie ſtießen an, ſie tranken, ſie umarmten ſich. Der Wein, wie ein zurückgekehrter alter Freund, erinnerte ſie an gemeinſame Jahre und Erlebniſſe. Sie gedachten be⸗ ſonders der achtzehn Monate, die ſie zuſammen im Con⸗ vent der Jeſuiten zu Mainz verbracht hatten, unmittelbar vor Aufhebung des Ordens.
Es ſind ſchon neunzehn Jahre, Ignaz! rief Cham⸗ bion. Dies Weltereigniß kam unſerer Schwärmerei, un⸗ ſeren Phantaſien in die Quere. Wir rechneten auf die weltumfaſſenden Mittel des Ordens für unſere perſönlichen Abſichten, ohne zu ahnen, daß unſere Oberen dieſe halt⸗ loſen Träumereien ſchon durchſchaut hatten, und uns


