kühleren Tagen, die zwiſchen die Gewitter fielen, Spazier⸗ gänge nach den nächſten Ortſchaften oder waldigen Berg⸗ kuppen. Nur in die benachbarten Abteien und Klöſter war Garzweiler nicht zu bringen; wie er denn auch in dieſer Zeit keine Meſſe las. Er ſchien ſeinen Stand und Beruf gänzlich vergeſſen zu wollen; ging Allem was daran erinnerte aus dem Wege, und ließ aus ſeinen Ur⸗ theilen einen Mann errathen, der alles Partei⸗Intereſſe mit dem geiſtlichen Kleid ausgezogen hat, und ſich außer⸗ halb geweihter Mauern froh und befriedigt fühlt. Süße Spiele nahmen ſein Herz ein. Er trug das Kind ſeines Vornamens in den Garten oder an den Strom, ließ es laufen, häufelte mit ihm die glatten Rheinkieſel oder ver⸗ ſteckte ſich hinter einen Buſch, klatſchte hervorſpringend in die Hände und lachte um die Wette mit dem Kleinen, der ſeine vier Vorderzähnchen bleckte.
Wie hätte er die Mutter mehr erfreuen und gewinnen können, als mit dieſer Liebe! Wie oft ſtieß ſie mit dem Elbogen ihren Mann an, und winkte mit leuchtenden Augen nach dieſen Tändeleien! Oder ſagte lachend zu ihm: Sieh' nur dort den guten Onkel! Wer von Beiden iſt das größte Kind, unſer Nazi oder Pater Ignaz? Aber auch auf ſie ſelbſt floß die Zärtlichkeit des vergnügten Mannes über. Wie er ſie ſonſt, als ſie noch nicht ahnen ſollte, wer ſie ihm eigentlich ſei, mit ſteifem Nachdrucke kebe Nichte genannt hatte, nannte er ſie jetzt mit im⸗ mer kühnerem Accent—„meine Tochter“, und hoffte ſie mit dem zärtlichen Namen auf den ſchweren Inhalt des Geheimniſſes vorzubereiten, vor deſſen Enthüllung er ſelbſt ein wunderbares Bangen empfand.
Koenig, Clubiſten in Mainz. II.


