Teil eines Werkes 
1. Theil (1847)
Entstehung
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der Schuſtergaſſe, ſchalt auf den dummen Mann, den ſie einen Kerl nannte, und wiſchte mit der Schürze die heiße Stirne und die ſtarke Unterlage des Kinnes. Nun hoörte man gar ſchon den Lärm und Geſang der Handwerker Mit derben Stöcken bewaffnet, kamen ſie die Schuſter gaſſe herauf, drängten ſich unter dem Schwibbogen, der das ehemalige Jeſuiten-Colleg mit dem Univerſitätsbau verband, auf das Kirchenplätzchen, und ſtellten ſich vor dem bedrohten Hauſe zum Angriff auf. So breit ſich nun auch Frau Braunſchiedel mit eingeſtemmten Armen vor ihren Körben aufpflanzte, konnte ſie den Kram doch nicht ganz decken. Neben und hinter ihr wurden die Körbe im Gedränge und aus Muthwillen vom Gerüſt geſtoßen. Die Pflaumen und Birnen, die Aprikoſen, Pfirſiche, und Frühtrauben fielen in die Goſſe und wurden zertreten Schimpf und Scherz, von der geängſtigten Frau abwech ſelnd verſucht, halfen nichts; bis die Haufen mit entſetz⸗ lichem Geſchrei in das Gebäude ſtürmten.

Nun entlud ſich aber der ganze Grimm des Weibes auf den unglücklichen Mann, der ſich jetzt zu ſpät aus dem Gedränge der Zuſchauer hervorarbeitete, und mit gewohnter Geduld, während er ſich zum Aufleſen des Obſtes bückte, die Fäuſte der Wüthenden auf das leinene Camiſol hinnahm.

In dieſem Eifer fühlte ſich die Frau plötzlich durch den Schlag eines Reitpeitſchenſtiels unterbrochen Ein ſchlanker junger Mann ſtand vor ihr, zierlich friſirt mit feinem Ka⸗ ſtorhut, violettſammtnem Kleide, geſtickter Weſte und fei⸗ nen engliſchen Stiefeln Was iſt hier los, Frau? fragte er kurz und mit vornehmer Miene.