Teil eines Werkes 
1. Theil (1847)
Entstehung
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Erſtes Kapitel.

Frau Braunſchiedel, ſonſt die behaglichſte Obſthändlerin hinter ihren Körben, war gegen drei Uhr auf einmal ſehr unruhig geworden. Etwas Ungewöhnliches mußte vorge⸗ hen, was die ſchwerfällige Frau von ihrem Schemel auf gebracht hatte und umhertrieb; zumal der Nachmittag anfangs September ungewöhnlich ſchwül war. Sie hatte aber einen Wink erhalten, daß die Handwerkergeſellen zur Stunde ſich auf dem Marktplatze um die zwei Brunnen zuſammenrotteten, und daß es den Studenten, ihren beſten Kunden gelte, die eben in den Collegien ſaßen. Die Angſt und Unruhe einer ſo gelaſſenen Frau entſprang freilich weniger aus Theilnahme für ihre Kunden, als aus Beſorgniß um ihre Obſtkörbe. Denn ſie hielt vor der ſchönen Jeſuitenkirche feil, und der Univerſitätsbau lag ihr gegenüber ſo nahe, daß ſie die Stimme des ihr bekannten Profeſſors Niklas Vogt durch den geöffneten obern Fenſter flügel ganz genau vernahm. Sie hatte ſogleich durch eine vorübergehende Nachbarin ihren Mann, der zu Hauſe der Kinder wartete, zum Beiſtand aufbieten laſſen; aber er eilte immer noch nicht herbei, ihr die Obſtkörbe weg⸗ ſchaffen zu helfen. Sie trippelte hin und her, blickte nach 1