XII
ihn eine beſondere Schwierigkeit noch daraus entſprang, daß er nicht allein Geſchichte in der Reproduction der Dichtung geben, ſondern auch eine beſtimmte Tendenzfrage zu löſen verſuchen wollte. Seit langer Zeit betrachtet man es als eine geſchichtliche Räthſelfrage: wie ſich der jüdiſche Stamm mit ſeinem eigenthümlichen Glauben mitten durch die lange Reihe der Jahrhunderte, mitten durch den Wechſel der Ge⸗ ſchicke, mitten durch die zerſtörendſten Kämpfe der Völker, den Zuſammenſtoß von Welttheilen, den Einſturz von Thro⸗ nen und Staaten, und im ſteten Widerſtreit mit allen ſei⸗ nen Umgebungen zu erhalten vemochte? Alle Verſuche, dieſe Frage durch eine einſeitige Löſung zu beantworten, ſind geſcheitert. Noch intereſſanter wird aber dieſe Frage, wenn wir ſie auf jene Zeitperiode beſchränken, wo nach dem Untergange ſeiner ſtaatlichen Exiſtenz, nach der Zerſtörung ſeines kultuellen Mittelpunktes, ja nach dem Verluſte jedes geiſtigen und geiſtlichen Centrums, die zerſplitterte Exiſtenz jenes Stammes mehr als gefährdet erſcheint; auf jene Epoche, wo das junge Chriſtenthum nicht blos ſeinen rieſigen Geg⸗ ner, das Heidenthum, in den Staub warf und zertrümmerte, und die ganze Cultur des Alterthums auflöſte, freilich nicht ohne mächtige Reſte jenes und dieſer in ſich aufzunehmen und mit ſich zu amalgamiren, ſondern wo der Sieger auch ſein Schwert gegen Alles was ihm gegneriſch erſchien, alſo


