18
könnten. Wirf' den Kindern die Kleider über! Ich will indeß ſehen, wie es draußen ſteht!“
Anton ſprang von ſeinem Lager auf, mitten in die Stube hinein.
„Oho!“« rief er.„Das iſt ſchlimmer, als ich dachte! Das Waſſer ſteht mir ſchon bis dicht an die Knie! Es muß furchtbar gewittert haben am Rheine droben, und der Schwall iſt gekommen, wie Nicodemus, über Nacht. Doch hier hab' ich das Zündfeuerzeug, nun werden wir bald ſehen können!“
Er ſtippte ein Schwefelholz in das Zündfläſchchen, ein bläulicher Schein erhellte das kleine Zimmer, und wenige Augenblicke ſpäter brannte die Lampe. Nun ſah man deutlich, daß der Boden des Zimmers bereits fußhoch vom Waſſer bedeckt war, und daß es noch im⸗ mer mit Macht durch die Fugen der Thür herein⸗ quoll.
„Herr, mein Gott,“ rief Marie ganz entſetzt aus. „Wir ſind verloren! Leben, Hütte, Alles ſchwemmt die Fluth mit ſich fort!“*
Auch Anton war heftig erſchrocken, aber durch eine mannhafte Anſtrengung erlangte er bald ſeine Faſſung
wieder.
»Sei ganz ruhig, liebes Weib,“ ſagte er.„Unſer Kahn iſt vor der Thür angebunden und auch die Ru⸗ der liegen darin. So ſchnell auch das Waſſer ſteigt,
es wird uns immer noch Zeit bleiben, wenigſtens unſer
Leben zu retten. Kleide die Kinder an! Ich werde den Kahn holen!“
Ein klägliches Brüllen drang in dieſem Augenblicke Hülfe flehend aus dem nahen Stalle.


