Zweites Kapitel. 6
Die Ueberſchwemmung.
Es mochte gegen zwei oder drei Uhr des Morgens ſein, da erwachte Fiſcher-Anton plötzlich aus ſeinem tiefen Schlummer. Noch halb träumend horchte und lauſchte er. Ein ſeltſames Rauſchen drang in ſein Ohr. Es hörte ſich an, als ob er in ſeinem Kahne ſäße, und als ob die ſchwellenden Wogen an die Borde deſſelben ſchlügen. Dichte Finſterniß umgab ihn, denn der Mond war längſt untergegangen, und die Sonne ſtand noch tief im Oſten unter dem Horizonte.
„Aber wie iſt mir denn?“ murmelte Anton vor ſich hin.„Träum' ich oder wach' ich?«“ Bin ich in mei⸗ nem Boote oder in meiner Hütte?“
Ein plötzlicher Schrecken fuhr jäh durch ſeine Ge⸗ beine. Mit einem Rucke ſaß er aufrecht in ſeinem Bette, und rief laut: Wacht auf! Wacht auf! Um Gotteswillen! Oder wir müſſen Alle ertrinken!“
„Was gibt es, Anton?“ fragte ganz verwirrt Ma⸗ rie, indem ſie haſtig aus dem Schlafe aufſchreckte.
„Das Waſſer! Das Waſſer!“ erwiederte Anton. „Der Rhein iſt ausgetreten! Hörſt du nicht, wie es durch alle Fugen in unſere Hütte eindringt? Oh, ich ahnte etwas der Art, und deßhalb, zum Glück, brachte ich den Kahn vom Ufer herauf! Doch nur ruhig, ruhig, liebes Weib! Die Gefahr wird nicht ſo nahe ſein, daß wir ihr nicht mit leichter Mühe entrinnen Brave Leute. 2.


