„Auch von ſeiner Vergangenheit, wie er zu Euch in's Haus kam, wie er deine arme Schweſter Anna kennen lernte, weißt du nichts?“ fragte Anton. „Wenigſtens nicht viel,“ erwiederte Marie.„Ich war ja nur noch ein kleines Kind damals, und erin⸗ nere mich des armen Murray nur als eines ſchönen, ſtattlichen Mannes mit großen, ſchwarzen Augen und lockigem Haar. Er kam zu Fuß, auf einer Reiſe, die er den Rhein hinauf machen wollte. Des Abends kam er, und anſtatt am folgenden Tage weiter zu gehen, blieb er bei uns,— dieſen Tag und dann noch viele Tage und Wochen, unter dem Vorwande, vom Vater die deutſche Sprache zu erlernen. Nachher heirathete
er meine arme Schweſter, und dann auf einmal war
er fort und kehrte nicht wieder. Die Schweſter wartete in ſtillem Grame auf ſeine Rückkunft zwei, drei Jahre. Dann nahm ſie Gott zu ſich. Sie ſtarb in der feſten Ueberzeugung, daß Murray ihr ſchon vorausgegangen ſei zum Himmel. Der Vater aber ſprach nie von ihm, ſeit Anna begraben war, doch liebte er die kleine Luiſe von ganzem Herzen. Gewiß glaubte auch er an den Tod Murray's, und wer möchte überhaupt daran zweifeln, daß der Arme irgendwo plötzlich ſeinen Unter⸗ gang gefunden hat? Vielleicht litt er Schiffbruch auf dem Meere, denn ich erinnere mich, daß er, als er uns verließ, die Abſicht hatte, eine Reiſe in ſeine Heimath, nach Schottland, zu machen. Vielleicht ſtarb er an einer hitzigen Krankheit, vielleicht verungluckte er durch einen Sturz mit dem Pferde in den Bergen ſeines Vaterlandes,— gewiß iſt jedenfalls, daß er durch irgend ein unbezwingliches Verhängniß verhindert wurde,


