Vieles geſprochen, Manches hatte ſie mir noch aufgeklärt, Manches entdeckt; und zuletzt waren wir lange ſchweigend Hand in Hand gegangen, dann, in der Wehmuth des nahen Scheidens, einzeln, ſie vor mit.— Da kehrte ſie ſich um mit dem ehrwürdigen Anſehen einer Mutter, und ſprach zu mir:„Knie nieder, mein Sohn, daß ich dich ſegne.“ So that ich, entblößte mein Haupt, und die heilige Sonne beſchien uns herr⸗ lich, herrlich.— Da ſagte ſie zuletzt:„Mein Sohn, du biſt ſo leidlich gut, du wirſt ſtark und beſtändig ſein gegen die Männer, und aus dieſem Gefühl: verträglich und freundlich; du wirſt nicht betrügen, nicht falſch ſein, Wein und Karten und mancher Tand wird dich nicht ver⸗ führen.— Aber, lieber Sohn, die beſten Män⸗ ner, die tapferſten, edelſten, ſind oft, mehr wie oft, die größten Betrüger der Mädchen und Frauen! So viel ich verſtehe, aus dieſem Grunde: die Männer ſehen ein ſchönes Weib blos als eine augenblickliche Erſcheinung an, nicht für ein lebenslanges Weſen, und darum fühlen ſie nicht die rechte Ehrfurcht vor ihm, und behandeln es nur nach dem Augenblicke. Ich aber bitte dich: Siehe in der blühenden Jungfrau auch noch
das kleine, arme Wiegenkind, das ſeine Mutter Bd. v.


