196
dort in das Lager ritte, ſähe ich alle die deut⸗ ſchen Ritter in Lebensgeſtalt! die Stammväter der Ehrwürdigſten unſerer Geſchlechter! O daß
ich in jenes Lager der Kreuzfahrer hätte hinein⸗
reiten können, leibhaftig, mit meinem leuchtenden,
wiehernden Roß! Daß ich ſie ſähe, und ſie mich
ſähen! Da hörte ich wieder rufen, und verſtand
die türkiſchen Worte im Winde. Ich erwachte,
und das grüne Feld vor mir war mir nun der grüne Kirchhof jener vorigen Menſchen, und die Erde ein unerſättlicher, unausfüllbarer Kirchhof, der Geſchlechter nach Geſchlechtern heimlich her⸗ unterzieht, und zum Scheine wieder mit Blumen bedeckt.— Auf einem alten Schlachtfelde käm⸗ pfen, hat étwas Geiſtermäßiges! Ja, wir reiten darauf wie Geſpenſter, wie mörderiſche und doch zerhaubare Geſpenſter. So wahrlich ſorglos war ich zu weit geritten, zu ſichtbar allein vor.— Da ritt auch mir allein ein Türke auf ſchwar⸗ zem Pferde entgegen, zum Zweikampf, wie ich ſahe, denn auch ſeine Begleiter hielten hinter ihm, mauerſtill bei dem Feigenbaum. Er um⸗ kreiſete mich in einer Entfernung von zwanzig Schritt, und allmählig näher, immer im Galopp⸗ die rechte Seite gegen mich gewandt, in der Hand ſein blitzendes Piſtol, am Arme den krum⸗
*


