Teil eines Werkes 
4. Band (1835) Der Nabob
Entstehung
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Eigenliebe und Neid die gleich dem Haſſe ſind ihr das geſtatten. Doch kein Gedanke iſt frevelhafter

als dieſer: der Gegenſtand bedingt und rechtfertigt die

Leidenſchaft; ſie darf, ja ſie ſoll ſo groß ſeyn, als er ſchoͤn und herrlich iſt! Welch' ein Schickſal hat ſie hier Allen bereitet! Und welches mir! Da liegt auch ſie, ihr Opfer! Und nun er getadelt, nun weinte er. Darauf entſchuldigte, zuletzt lobte er, ja pries er ſelig Eugen und Liddy, die ſein noch bedurfte.

Die unheimlichen Tage, wo der Menſch noch nicht dort, und doch nicht hier iſt, wo die Lebenden aus Furcht, ja Ehrfurcht vor ihm die Klage um ihn hem⸗ men, und wiederum auch leiſe ſprechen, als ob er nur ſchliefe dieſe unheimlichen heiligen Tage vergingen in liebender Sorge und Thaͤtigkeit: die ſchoͤne Tochter dem Vater gegenwaͤrtig zu erhalten, wie Eugen für Liddy bewahrt worden. Und ſo war ſie ſchoͤner, ruh⸗

render anzuſchauen, als die heilige Roſalia, die nie ge⸗

liebt, die nie geliebt worden, nur angebetet. Sanft entſchlafen erſchien hier Liddy. Ihre Zuͤge hatten ſich nicht verwandelt ſie war da, ſie war ſchoͤn, ſie war jung, ſie war Alles wie vor nur todt! Ihr Ant⸗ lis lächelte, als trete ſie leiſe an den Ort, wo ſie das Theuerſte erwartet und doch war keine draͤngende Begierde darin ſichtbar; ja der Ausdruck des vollkom⸗ menſten Gluͤckes, den ihr Antlitz trug, ſcheuchte den Eintretenden ſanft zuruͤck, und verwies ihn zu Ruhe und Stille, ihr Gluck nicht zu ſtoͤren, das ſich darauf