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wie das Sonnenbild auf klarer Welle ſpiegelte. Sie ſchaute etwas Seliges an, unbewegt an, aber im In⸗ nern, und Jeder mußte ihr das glauben, obgleich ihre Augen geſchloſſen waren. Und in dieſem Anſchaun war kein Kummer, nicht Glauben ſelbſt, noch Hoffnung! Denn:
Was rein zum Himmel eingeh'n kann und wird,
Das iſt die Liebe! Selbſt die großen Genien
Der Menſchheit auf der Erde: Glaub' und Hoffnung, Sie muͤſſen vor den Himmelspforten bleiben—
Sie ſind da nichts mehr, wo an ihre Stelle Erfuͤllung tritt und Anſchaun. Nur die Liebe
Sie bleibt auch dort ſich gleich, weil ſie vom Himmel War! und auf Erden iſt ſie gleich wie droben
Die Himmliſche, wie Goͤttern dort— hier Menſchen, und eine Seligkeit gewaͤhrt ſie Allen!
Da ihr aber Eugen an ihrer Seite zu fehlen ſchien, und da er nicht ſichtbar neben ihr ruhen konnte, ſo ließ der Vater auch lieber die Tochter an ihrer Stelle unter die Marmortafeln des Fußbodens der Zelle ver⸗ ſenken, und ihren Eugen an ihrer Seite. Und ſo er⸗ ſchien die Wohnung der Todten leer und gehaltlos wie die alte heilige Erde, die doch zahlloſe ſchoͤne beweinte und unbeweinte Weſen— wie zerfloſſen in ſie— verbirgt. Und wie die ſtille Sonne uͤber der ſtillen, leeren Erde— die immer nur ein Geſchlecht, das liebende, leidende und ſcheidende traͤgt— ſo ſchwebte


