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Italien gereiſet. Sie weinte. Aber ſie ſchwieg. Sie war in jener Nacht mehr wie je auf der Ruͤckkehr in's Leben geweſen. Jetzt war das Alles anders, und auch ohne befangen zu ſeyn, haͤtte ſie die Einſamkeit ge⸗ ſucht. Warum ſollte ſie nun nicht bleiben, wo ſie war? Der Vater verſtand ſie nun eher, da auch er im Geiſte bei Galate weilte, die auch nur abweſend war, und die Todten ſind auch nur Abweſende. Ga⸗ late lebte nur nicht ſo fern, und auch das nicht ge⸗ wiß, denn die Todten ſind uns vielleicht noch naͤher, nahe, um uns, ja in uns. Auch Eugenie verſtand ſie nun beſſer, da die Schweſter auch nach dem fernen, fernen, immer fernen Bruder ſchmachtete, der doch auch in ihr war, wie ihre Trauer und ihre Liebe bewies. Und ſo lebte nun Liddy ohne den todten Geliebten, aber ruhig, ungekraͤnkt, ſelbſt von ihm nicht mehr in ihrem innern Leben geſtoͤrt. Denn wenn ſie ihn, ihn aus der ſie umfließenden Fuͤlle der Liebe an ſeiner Geſtalt nicht mehr unterſcheiden konnte, ſo em⸗ pfand ſie ihn doch darin, und um aller Schoͤnheit der Natur willen nun tauſendmal ſchoͤner, und alle Reize und Suͤßigkeit der Natur um ſeinetwillen reizender, ſuͤßer, bis zum Unerträglichen Denn als ſie in den neuen Fruͤhling hinausgetreten, und Waͤrme und Glanz ſie umfing, der blaue Himmel ſie blendete, und der Mond ſie mild und wie iehend anlaͤchelte, da ſprach ſie bei ſich:


